Diazepam – ein Psychopharmakon, Schlafmittel oder Tranquilizer

Handelsnamen in Deutschland: Valium, Faustan, Lembrol

Diazepam wird auch bezeichnet als: 7-Chlor-2,3-dihydro-1-methyl-5-phenyl-1H-1,4- benzodiazepin-2-on; 7-Chloro-1,3-dihydro-1-methyl-5-phenyl-2H-1,4- benzodiazepin-2-on; Diazepamum; Methyldiazepinon.

Es gibt Situationen in denen manch einer auf Arzneimittel dringend angewiesen ist. Insbesondere dann, wenn die Zustände so schlimm sind, dass man vor Angst nicht mehr ein noch aus weiß oder aber nicht mehr schlafen kann. Der Körper reagiert dementsprechend ungnädig auf Schlaflosigkeit. Denn ein gesunder Schlaf ist wichtig für Körper und Seele, weil er kraftfördernd ist und regenerierend.

Wenn sich ein Mensch jedoch jede Nacht hin und her wirft und dennoch kein Auge zu tun kann, dann muss etwas dagegen unternommen werden. Zunächst einmal stellt ein Arzt die Gründe fest, die zur Schlaflosigkeit des Patienten führen. Dass können allgemeine Unpässlichkeiten sein aber auch Probleme, die den Betroffenen so sehr beschäftigen, dass er nicht zur Ruhe kommt.

In diesem Fall verschreibt der behandelnde Mediziner oftmals ein Schlafmittel, damit sein Patient keine durchwachten Nächte mehr hat.

Diazepam ist kein Schlafmittel an sich, eher ein Psychopharmakon welches angstlösend und sedierend (beruhigend) wirkt, eine Art Tranquilizer sozusagen. Ein Beruhigungsmittel in diesem Sinne, was auch als Schlafmittel angewandt wird.

Diazepam sollte allerdings nicht länger als vier bis sechs Wochen eingenommen werden, auch darf die vom Arzt verschriebene Dosis nicht überschritten werden, weil es sonst zur ernsthaften Abhängigkeit kommen kann. Was wiederum heißen würde, dass Körper und Psyche in Gefahr sind.

Aus diesem Grund ist es angebracht, Diazepam nur dann einzunehmen, wenn es wirklich unumgänglich ist. Lang anhaltende Schlaflosigkeit ist ein unumgänglicher Fall.

Allgemeine Einordnung von Diazepam

Diazepam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit relativ langer Halbwertszeit. Er wird insbesondere als Psychopharmakon zur Behandlung von Angstzuständen, in der Therapie epileptischer Anfälle und als Schlafmittel angewendet. Da es bei einer Langzeittherapie mit Diazepam zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit kommen kann, wird der Wirkstoff vorrangig in der Akuttherapie – das heißt nicht länger als vier bis sechs Wochen – eingesetzt. Eine Anwendung über längere Zeit darf nur unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung erfolgen. Diazepam wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die „Liste der unentbehrlichen Medikamente“ aufgenommen, welche zum Ziel hat, allen Menschen weltweit Zugang zu den notwendigsten Arzneimitteln zu sichern.

Diazepam wird bei akuten und chronischen Spannungs- und Erregungszuständen (Nervosität) sowie Angststörungen angewendet. Mit Diazepam können nicht die eigentlichen Ursachen solcher Störungen behandelt werden, sondern nur die Symptome gelindert werden. Gespritzt wird Diazepam außerdem bei akuten und sehr starken Angst-, Erregungs-, Spannungs- und Unruhezuständen wie zum Beispiel bei einem Herzinfarkt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Unruhe-, Angst- und Spannungszustände lösen
  • Muskelverspannungen lösen
  • Einschlafen und Durchschlafen fördern
  • Bewusstsein einschränken
  • Übererregbarkeit im Gehin dämpfen
  • Fieberkrämpfe bei Kindern behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Diazepam im Allgemeinen, bei Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Diazepam nicht verwendet werden?

Diazepam darf wie alle Benzodiazepine nicht angewendet werden bei:

  • einer Überempfindlichkeit gegen Benzodiazepine
  • einer Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen und Alkohol oder einer Vergiftung mit diesen Stoffen
  • Myasthenia gravis
  • schwerer chronischer Atemnot, insbesondere bei akuter Verschlechterung
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • schweren Leberschäden wegen der Gefahr einer Hirnschädigung.

Eine besonders sorgfältige ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung und Überwachung ist erforderlich bei

  • Störungen des Bewegungsablaufs, die vom erkrankten Rückenmark oder Gehirn verursacht werden
  • älteren und geschwächten Patienten
  • Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion
  • akuter unbehandelter Augeninnendruckerhöhung, zum Beispiel bei Engwinkelglaukom (Sonderform des grünen Star).

Hinweis:

Benzodiazepine wie Diazepam werden nicht als Mittel der Wahl bei Psychosen empfohlen und sollten auch nicht zur alleinigen Behandlung von Depressionen oder Angstzuständen, die von Depressionen begleitet sind, eingesetzt werden.

Nicht alle Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände bedürfen einer Therapie mit Medikamenten. Sie sind häufig Folgeerscheinungen körperlicher oder seelischer Erkrankungen und können durch andere Maßnahmen oder eine gezielte Behandlung der Grundkrankheit beeinflusst werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Diazepam und ein Hauptstoffwechselprodukt gelangen über den Mutterkuchen zum Ungeborenen. Sie können sich dort anreichern, was beim Kind zu Überdosierungen mit der Folge von Fehlbildungen und geistigen Einschränkungen führen kann.

Erhalten Mütter während der Schwangerschaft Benzodiazepine als Dauerbehandlung, in hohen Dosen oder während der Geburt, können die Kinder Entzugssymptome wie Atembeschwerden, erschlaffte Muskeln, erniedrigte Körpertemperatur und Trinkschwäche zeigen. Deshalb sollte Diazepam während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es der Arzt für zwingend erforderlich hält.

Diazepam und seine Stoffwechselprodukte gehen in die Muttermilch über. Da der Wirkstoff von Neugeborenen wesentlich langsamer abgebaut wird als von Kindern oder Erwachsenen, kommt es zu Atembeschwerden und Trinkschwäche. Es sollte also bei einer Behandlung mit Diazepam nicht gestillt oder abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Je nachdem, in welcher Arzneiform Diazepam angewendet werden soll, gibt es für Kinder besondere Hinweise:

  • Rektiolen (für die Enddarm-Gabe) sind für Neugeborene und Säuglinge nicht zugelassen.
  • In Tabletten- oder Tropfenform dürfen Kinder über einem Jahr Diazepam erhalten.
  • Tabletten und auch Zäpfchen kann man Kindern ab sieben Jahren geben.
  • Als Injektionslösung darf Diazepam nicht Säuglingen und Kindern unter vier Monaten verabreicht werden. Bei älteren Kindern richtet sich die Dosierung nach dem Körpergewicht.

Welche Nebenwirkungen kann Diazepam haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Diazepam. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Da der Wirkstoff Diazepam zur Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine gehört, können Nebenwirkungen auftreten, die für diese Substanzgruppe typisch sind. Das sind:

Schläfrigkeit, Benommenheit, verringerte Aufmerksamkeit, vermindertes Reaktionsvermögen, Empfindungsstörungen, Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Muskelschwäche, Gangunsicherheit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Zittern, Übelkeit und Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, Verstopfung, Durchfall, Harninkontinenz, Harnverhaltung, Mundtrockenheit, vermehrter Speichelfluss, niedriger Blutdruck, Pulsschwankungen, Kreislaufabfall, Herzstillstand, Änderungen des sexuellen Bedürfnisses, Juckreiz, Nesselsucht, Erröten, Gelbsucht, Kehldeckelkrämpfe, Brustschmerzen, verlangsamter Puls, Zyklusstörungen bei Frauen, Appetitzunahme, Atemfunktionsstörungen, Leberwert-Erhöhung (Transaminasen und alkalische Phosphatase).

Besonderheiten:

Die atemunterdrückende Wirkung kann bei Verlegung der Atemwege und bei Patienten mit Hirnschädigungen verstärkt in Erscheinung treten. Dies ist vom Arzt besonders bei gleichzeitiger Kombination mit anderen Substanzen zu beachten, die die Hirntätigkeit beeinflussen.

Am Morgen nach der abendlichen Einnahme den Wirkstoffs muss mit Hangover-Effekten und Tagesmüdigkeit gerechnet werden. In hoher Dosierung und bei längerer Anwendung können vorübergehende Störungen, wie verlangsamtes oder undeutliches Sprechen und Sehstörungen (Doppeltsehen, Augenzittern) sowie Bewegungs- und Gangunsicherheit auftreten.

Auf Dauer verliert der Wirkstoff seine Effektivität und der Patienten benötigt höhere Dosen für die gleiche Wirkung.

Bei älteren Menschen, die Benzodiazepine einnehmen, kann es zu vermehrten Stürzen und Knochenbrüchen kommen.

Benzodiazepine wie Diazepam können auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und besonders bei höheren Dosierungen Gedächtnislücken über einen bestimmten Zeitraum verursachen.

Eine bereits vorhandene und bisher nicht bemerkte Depression kann sich während der Anwendung des Wirkstoffes deutlich zeigen.

Bei der Anwendung des Wirkstoffes kann es, meist bei älteren Patienten oder Kindern, zu seelischen sowie sogenannten paradoxen Reaktionen wie Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Wut, Albträumen, Halluzinationen, Psychosen, unangemessenem Verhalten und anderen Verhaltensstörungen kommen. In solchen Fällen sollte die Behandlung vom Arzt beendet werden.

Diazepam besitzt ein hohes Abhängigkeitsrisiko. Bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer Sucht.

Bei Beenden der Therapie mit Diazepam können Absetzerscheinungen und Entzugsbeschwerden auftreten. Das Therapieende ist daher immer mit langsam verminderten Dosierungen einzuleiten.

Welche Wechselwirkungen zeigt Diazepam?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können. Diazepam gehört zu der Gruppe der Benzodiazepine. Daraus ergeben sich folgende allgemeine Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:

  • Medikamente, die das Gehirn beeinflussen, wie zum Beispiel Psychopharmaka, Antidepressiva einschließlich Lithium, Beruhigungs- und Schlafmittel, Antiepileptika, opioide Schmerzmittel und Narkosemittel oder auch H1-Antihistaminika und Alkohol, verstärken sich mit Benzodiazepinen in der Wirkung gegenseitig.
  • Benzodiazepine verstärken die Wirkung von Muskelrelaxanzien, Schmerzmitteln und Lachgas.
  • die Magenmittel Cimetidin und Omeprazol, das Pilzmittel Ketoconazol, das Alkohol-Entwöhnungsmittel Disulfiram sowie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer Fluvoxamin und Fluoxetin (gegen Depressionen) verstärken und verlängern die Wirkung, weil sie den Abbau von Diazepam in der Leber verzögern.

Für Diazepam speziell ist auf folgende Wechselwirkungen zu achten:

  • Das Asthma-Mittel Theophyllin hebt in niedriger Dosierung die beruhigende Wirkung von Diazepam auf.
  • Diazepam kann die Wirkung des Parkinson-Mittels Levodopa hemmen.
  • Die Antiepileptika Phenobarbital und Phenytoin können für einen schnelleren Abbau von Diazepam im Körper und damit geringere Wirkung sorgen.
  • Der Abbau des Antiepileptikums Phenytoin im Körper kann gehemmt und dessen Wirkung verstärkt werden.

Aufgrund der langsamen Ausscheidung von Diazepam und seinen Stoffwechselprodukten kann auch nach dem Ende der Behandlung noch mit möglichen Wechselwirkungen gerechnet werden.

Bei Rauchern kann die Ausscheidung von Diazepam beschleunigt und damit seine Wirkung abgeschwächt oder verkürzt sein.

Bei Dauerbehandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten, die auch das Gehirn beeinflussen, mit Betablockern und Gerinnungshemmern wie Antikoagulanzien sind Wechselwirkungen möglich, deren Art und Umfang nicht vorhersehbar ist.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament kann Gedächtnisverlust verursachen; es ist daher auf eine ausreichende Schlafdauer nach der Einnahme zu achten.
  • Kommt es nach Anwendung des Medikaments zu Erregung oder Aggressivität, ist die Behandlung vom Arzt zu beenden.
  • Zur Beendigung der Behandlung ist die Dosis des Medikaments schrittweise zu vermindern („ausschleichen“).
  • Die Konzentration und das Reaktionsvermögen sind durch das Medikament so weit beeinträchtigt, dass Autofahren, bestimmte Arbeiten und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt insbesondere im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Diazepam

Diazepam wird bei akuten und chronischen Spannungs- und Erregungszuständen (Nervosität) sowie Angststörungen angewendet. Mit Diazepam können nicht die eigentlichen Ursachen solcher Störungen behandelt werden, sondern nur die Symptome gelindert werden. Gespritzt wird Diazepam außerdem bei akuten und sehr starken Angst-, Erregungs-, Spannungs- und Unruhezuständen wie zum Beispiel bei einem Herzinfarkt.

Der Einsatz von Diazepam bei Schlafstörungen ist nur dann gerechtfertigt, wenn gleichzeitig noch eine beruhigende und entspannende Wirkung am Tage erwünscht wird.

Als Injektionslösung wird Diazepam wegen seiner beruhigenden und schlafanstoßenden Eigenschaften zur Vorbereitung von Operationen verwendet. Ähnlich werden seine muskelentspannenden Eigenschaften vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen (zum Beispiel in der Endoskopie) genutzt.

Diazepam dient als Notfallmedikament zur Behandlung eines Grand-mal-Anfalls bei Epilepsie sowie vorbeugend, um Grand-mal-Anfälle zu vermeiden, falls vorher Anzeichen bemerkbar sind. Bei Kindern ist Diazepam ein Mittel der Wahl bei Fieber-Krämpfen. Es wird in einem solchen Fall meist als Rektallösung (über den Enddarm) verabreicht.

Diazepam wird weiterhin bei starken Muskelverkrampfungen eingesetzt. Als spezielles Anwendungsgebiet ist hier die Tetanus-Vergiftung zu nennen.

Wirkungsweise von Diazepam

Diazepam gehört zur Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Es bindet sich im Gehirn an die Rezeptoren, die auf diese Substanzgruppe spezialisiert sind. Diese Bindung verstärkt die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA auf unterschiedliche Verbände von Nervenknoten. Auf diesem Wege wirkt Diazepam spannungs-, erregungs- und angstdämpfend sowie beruhigend und schlafanstoßend. Außerdem vermag es die Muskelspannung herabzusetzen und die Neigung zu epileptischen Krämpfen zu vermindern beziehungsweise solche Krämpfe zu unterbrechen. Atmung und Kreislauf werden durch die üblichen Dosierungen von Diazepam nicht oder nur wenig beeinflusst. Allerdings kann es bei zu schneller Injektion manchmal zu einem Atemstillstand kommen. Die Wirkung der Benzodiazepine, so auch des Diazepams, kann durch gegenteilig wirkende Substanzen wie zum Beispiel Flumazenil aufgehoben werden.

Diazepam wird bei Einnahme und Injektion in einen Muskel binnen einer Stunde in den Körper aufgenommen. Bei Injektion in die Vene setzt die Wirkung im Gehirn schon nach einer Minute ein. Die Leber verstoffwechselt Diazepam vor allem in die drei so genannten Metabolite Nordiazepam, Temazepam und Oxazepam. Wie Diazepam können diese drei durch die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn und durch den schützenden Mutterkuchen gelangen und sind auch in der Muttermilch zu finden.

Nordiazepam, Temazepam und Oxazepam wirken länger als das Diazepam und sind für Müdigkeit am nächsten Tag nach der Diazepam-Einnahme verantwortlich. Sie werden auch als eigenständige Wirkstoffe eingesetzt.