{"id":4558,"date":"2020-02-28T13:32:04","date_gmt":"2020-02-28T12:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=4558"},"modified":"2020-04-02T10:53:53","modified_gmt":"2020-04-02T08:53:53","slug":"resveratrol-schluessel-fuer-ein-langes-leben","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/aus-der-forschung\/bioflavonoide-und-kraeuter\/resveratrol-schluessel-fuer-ein-langes-leben\/","title":{"rendered":"Resveratrol: Schl\u00fcssel f\u00fcr ein langes Leben?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber kaum einen sekund\u00e4ren Pflanzenstoff wurde in den letzten Jahren so viel publiziert wie \u00fcber Resveratrol. <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von&nbsp;Bernd Kleine-Gunk<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Antioxidans wirkt antiinflammatorisch und chemopr\u00e4ventiv. \nHerausragend ist aber eine sehr spezielle Eigenschaft: Es wirkt als \nCR-Mimetikum. Es t\u00e4uscht dem K\u00f6rper eine Kalorienrestriktion (CR) vor &#8211; \ndie bisher einzige experimentell belegte Methode zur Lebensverl\u00e4ngerung.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Resveratrol gilt gemeinhin als \u00bbWirkstoff des Rotweins\u00ab. Es kommt \nhaupts\u00e4chlich in der Traubenschale und in geringeren Konzentrationen in \nden Traubenkernen, Stielen, Reben und Wurzeln des Weinstocks vor. Es \nl\u00e4sst sich jedoch auch in einer Reihe weiterer Nahrungspflanzen wie \nErdn\u00fcssen oder Maulbeeren nachweisen. Isoliert wurde es erstmals 1940 \naus den Bl\u00e4ttern der wei\u00dfen Lilie. Den h\u00f6chsten Gehalt hat der \njapanische Kn\u00f6terich Polygonum cuspidatum. Diese Heilpflanze ist sowohl \nin der traditionellen japanischen Medizin unter dem Namen Ko-jo-kon als \nauch in der indischen Ayurveda-Medizin als Darakchasava verbreitet (1). \nInternationale Bekanntheit erlangte Resveratrol jedoch erst in den \n1990er-Jahren, vor allem als m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr das \u00bbFranz\u00f6sische \nParadoxon\u00ab(2).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Resveratrol geh\u00f6rt zur gro\u00dfen Gruppe der Polyphenole. Die genaue \nBezeichnung der in der Weintraube vorliegenden wirksamen Form lautet \nTrans-3,4,5-trihydroxystilben. In der Tat gleicht die chemische Struktur\n von Resveratrol der des synthetischen Estrogens Diethylstilbestrol.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Biologisch wirkt das Molek\u00fcl als Phytoalexin. Anders ausgedr\u00fcckt: \nResveratrol ist Bestandteil des pflanzeneigenen Immunsystems. Seine \nHauptaufgabe ist der Schutz der Weintraube vor Pilz-, Bakterien- und \nVirusinfektionen sowie vor sch\u00e4dlichen Umwelteinfl\u00fcssen wie \nUV-Strahlung, Ozonbelastung und Toxinen (3). Bereits hieraus erkl\u00e4rt \nsich der zum Teil sehr unterschiedliche Gehalt an Resveratrol in \nverschiedenen Rotweinen. Hohe Konzentrationen finden sich vor allem in \njenen Reben, deren Immunsystem stark gefordert wird. Da das Phytoalexin \nhaupts\u00e4chlich als Fungizid wirkt, enthalten meist jene Trauben viel \ndavon, die unterschiedlichen Witterungsbedingungen mit gelegentlichen \nFeuchtigkeitsperioden ausgesetzt sind. So enth\u00e4lt zum Beispiel eine \nFlasche (0,7 Liter) eines chilenischen Weins etwa 10 bis 12 mg. Rein \n\u00bbsonnenverw\u00f6hnte\u00ab Trauben bilden eher weniger Resveratrol.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Produktionstechnisch bedingt hat Rotwein in der Regel einen h\u00f6heren  Gehalt als Wei\u00dfwein, da hier die Maische l\u00e4nger beim abgepressten Saft  bleibt. Das Polyphenol l\u00f6st sich gut in Alkohol; dies erkl\u00e4rt, warum Wein mehr davon enth\u00e4lt als Traubensaft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Franz\u00f6sisches Paradoxon<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang der 1990er-Jahre berichteten Epidemiologen \u00fcber eine \nau\u00dfergew\u00f6hnliche Beobachtung. In Frankreich, vor allem im S\u00fcden des \nLandes, lag die Herzinfarktrate um rund 30 bis 40 Prozent niedriger als \nin vergleichbaren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und den Vereinigten Staaten. Und \ndas, obwohl die Franzosen viel rauchen und eine eher cholesterolreiche \nKost bevorzugen. Rasch war f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen ein pr\u00e4gnanter Begriff \ngefunden: das Franz\u00f6sische Paradoxon (4). Und ebenso rasch wurde eine \nm\u00f6gliche Erkl\u00e4rung pr\u00e4sentiert. Der hohe Rotweinkonsum der Franzosen \nwirke kardioprotektiv, insbesondere eine im Rotwein in hoher \nKonzentration vorliegende Substanz: das Resveratrol (5).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachfolgende Untersuchungen haben dessen zentrale Bedeutung als \nErkl\u00e4rung f\u00fcr das Franz\u00f6sische Paradoxon wieder etwas relativiert. In \nder Tat scheint es eher der Alkohol an sich zu sein, der eine \ngef\u00e4\u00dfprotektive Wirkung entfaltet. Gro\u00dfe Kohortenstudien wie die von \nKlatsky konnten bei moderatem Alkoholkonsum eine Abnahme der \nkardiovaskul\u00e4ren Erkrankungen nachweisen und zwar unabh\u00e4ngig davon, \nwelche Art von Alkohol konsumiert wurde (6). Auch die Copenhagen City \nHeart Study belegte die allgemein gef\u00e4\u00dfprotektiven Effekte des Alkohols,\n fand jedoch eine etwas geringere Gesamtmortalit\u00e4t der Weintrinker \ngegen\u00fcber den Biertrinkern (7).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Resveratrol bleibt dennoch interessant, wie eine in den letzten  Jahren fast exponentiell zunehmende Zahl wissenschaftlicher  Publikationen belegt. Mehr und mehr entpuppte sich die Substanz als eine  \u00bbbiologische Vielzweckwaffe\u00ab oder,&nbsp;wie es in einer amerikanischen  Ver\u00f6ffentlichung hie\u00df, als das \u00bbSchweizer Armeemesser der Natur\u00ab (8).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ausgepr\u00e4gt antioxidativ <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Polyphenole sind bekannt f\u00fcr ihre hohe antioxidative Potenz. \nInsbesondere die phenolischen Hydroxylgruppen besitzen ein hohes \nRedoxpotenzial, sind also ideale Radikalf\u00e4nger. Auch f\u00fcr das Polyphenol \nResveratrol wurde eine ausgepr\u00e4gte antioxidative Wirksamkeit \nnachgewiesen. \u00c4hnlich wie Coenzym Q10 dichtet es direkt an den \nMitochondrien die sogenannten Protonenleaks ab und neutralisiert \ngleichzeitig reaktive Sauerstoffradikale (9). Dar\u00fcber hinaus besitzt es \noffensichtlich die F\u00e4higkeit, k\u00f6rpereigene antioxidative Enzymsysteme \nwie die Superoxiddismutase und einige Katalasen zu stimulieren (10).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von besonderer Bedeutung f\u00fcr den Gef\u00e4\u00dfschutz ist die F\u00e4higkeit eines \nAntioxidans, die Lipidperoxidation, namentlich die Oxidation von \nLDL-Cholesterol zu verhindern. Erst in seiner oxidierten Form wird \nLDL-Cholesterol in die Gef\u00e4\u00dfwand eingelagert, was wiederum die \nMakrophagen im Endothel aktiviert. Dies wird inzwischen als \nInitialprozess f\u00fcr die Ausbildung atheromat\u00f6ser Plaques angesehen (11). \nProoxidative Kupferionen spielen dabei eine Schl\u00fcsselrolle. Als \nkupferbindender Chelator inhibiert Resveratrol in der Folge spezifisch \ndie Cholesteroloxidation (12).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Aktivierung der Thrombozytenaggregation bei Plaqueruptur \nwird durch ROS stimuliert. Resveratrol wirkt somit hemmend auf die \nPl\u00e4ttchenaggregation. Dies ist&nbsp;ein weiterer wichtiger Aspekt seiner \ngef\u00e4\u00dfprotektiven Wirkung (13).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die antioxidative Wirkung ist allerdings nicht nur f\u00fcr den  Gef\u00e4\u00dfschutz von Bedeutung. Als besonders lipidreiches Organ leidet auch  das Gehirn unter \u00fcberm\u00e4\u00dfigem oxidativen Stress. Eine neuroprotektive Wirkung von Resveratrol, das die Blut-Hirn-Schranke \u00fcberwindet, wurde in  mehreren In-vivo-Studien an Ratten nachgewiesen (14). Neuere Arbeiten deuten sogar darauf hin, dass es direkt die Prozessierung von Beta-Amyloid, dem pathogenen Faktor der Alzheimer-Demenz, beschleunigt  (15).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Antiinflammatorische Effekte<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der oxidativen Belastung wird seit einigen Jahren ein weiterer \nentscheidender Faktor f\u00fcr beschleunigt ablaufende Alterungsprozesse \ndiskutiert: die chronisch niederschwellige Entz\u00fcndung. Ohne Zweifel ist \ndie Entz\u00fcndungsreaktion ein wichtiger Abwehrmechanismus biologischer \nOrganismen; damit verteidigen sich diese gegen diverse \nKrankheitserreger. Persistiert der Entz\u00fcndungsprozess jedoch nach \nerfolgreicher Abwehr der Erreger, so beg\u00fcnstigt dies chronische und \ndegenerative Erkrankungen. Eine Vielzahl von Studien hat in den letzten \nJahren \u00fcberzeugend dargelegt, welch wichtige Rolle die \u00bbsilent \ninflammation\u00ab f\u00fcr die Pathogenese vieler Erkrankungen spielt, von der \nArteriosklerose \u00fcber die Neurodegeneration bis zur Karzinogenese (16, \n17, 18).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Antiinflammatorische Therapieans\u00e4tze bekommen somit immer gr\u00f6\u00dfere \nBedeutung. Auf pharmakologischem Gebiet galt die neue Generation der \nCOX-2-Hemmer lange als vielversprechend. Inzwischen werden diese \naufgrund zum Teil gravierender Nebenwirkungen wieder zur\u00fcckhaltender \nbetrachtet. Umso mehr r\u00fccken antiinflammatorisch wirksame \nPhytotherapeutika in den Fokus des Interesses.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Pflanzeninhaltsstoffen mit ausgepr\u00e4gter antientz\u00fcndlicher \nWirkung z\u00e4hlt Resveratrol. Es hemmt direkt sowohl die Cyclooxigenase 2 \n(COX-2) als auch die intrinsische Stickstoffmonoxid-Synthetase (iNOS), \nzwei Schl\u00fcsselenzyme der Entz\u00fcndungsreaktion (19, 20).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der intrazellul\u00e4re Signalweg, der eine vermehrte Produktion  proinflammatorischer Zytokine (Il-1, Il-6, TNF-\u03b1) bewirkt, f\u00fchrt \u00fcber  den nukle\u00e4ren Faktor kappa-b (NF\u03ba-b). Dieser normalerweise als inaktives  Dimer im Zytoplasma vorliegende Faktor kann durch viele Stimuli  (UV-Strahlung, Bakterientoxine) aktiviert werden und wandert dann in den  Zellkern, wo er die Genexpression unterschiedlicher Entz\u00fcndungsenzyme  induziert. NF\u03ba-b wird zunehmend als die entscheidende Schaltstelle f\u00fcr  die Verkn\u00fcpfung oxidativer und inflammatorischer Prozesse verstanden.  Resveratrol inhibiert in vitro die nukle\u00e4re Translokation von NF\u03ba-b und  unterbindet somit einen der wichtigsten Mechanismen in der Genese  proinflammatorischer Mediatoren (21). Die vielf\u00e4ltigen positiven  Wirkungen des Wein-Polyphenols auf sehr unterschiedliche  Krankheitsbilder lassen sich zu einem nicht unerheblichen Teil mit  seiner ausgepr\u00e4gten antiinflammatorischen Wirkung erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Inhibition der Karzinogenese <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits 1997 ver\u00f6ffentlichten Wissenschaftler in Science eine Arbeit,\n die nachwies, dass Resveratrol in Krebszellmodellen inhibitorische \nEffekte auf alle drei Stadien der Karzinogenese, Initiation, Promotion \nund Progression, aus\u00fcbt (22). Seine antioxidativen und \nantiinflammatorischen Effekte tragen zur karzinoprotektiven Wirkung bei.\n Die oxidative Belastung ist bereits seit Langem als karzinogener Faktor\n bekannt. Nach neueren Arbeiten spielt jedoch auch die chronische \nInflammation eine wichtige Rolle (23).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die karzinoprotektiven Effekte von Resveratrol gehen allerdings noch \nweiter. In einer Reihe experimenteller Arbeiten zeigte es sich als \npotenter Apoptose-Induktor. Das Molek\u00fcl besitzt die F\u00e4higkeit, Zellen, \nalso auch bereits existierende Krebszellen in den programmierten Zelltod\n zu zwingen (24, 25). Weitere Forschungen konzentrieren sich auf die \nF\u00e4higkeit, bestimmte Karzinome gegen\u00fcber den Schadeffekten einer Chemo- \noder Strahlentherapie zu sensibilisieren. Diese \u00bbSensitizer\u00ab-Funktion \nk\u00f6nnte die Effektivit\u00e4t derartiger Therapien deutlich steigern und einer\n Resistenzentwicklung vorbeugen (26).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Resveratrol in Zellkulturen und im Tierversuch \u00fcberzeugende \nErgebnisse zeigte, stehen Humanstudien erst am Anfang. Eine Korrelation \nzwischen Rotweinkonsum und Krebsh\u00e4ufigkeit herzustellen, ist \nproblematisch oder unm\u00f6glich, da der Resveratrol-Gehalt \nunterschiedlicher Rotweinsorten stark schwankt und im Rotwein weitere \nwirksame Polyphenole vorliegen. Nicht zuletzt hat der Alkohol auf \nverschiedene Krebsarten unterschiedliche, teils inhibitorische, teils \npromovierende Wirkungen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aussagekr\u00e4ftige Studien lassen sich daher lediglich mit  Resveratrol-Supplementen ausf\u00fchren. Einen \u00dcberblick \u00fcber erste Studien  zum Einsatz in der Pr\u00e4vention und Begleittherapie bei Krebserkrankungen gibt die \u00dcbersichtsarbeit von Aggarwal (27).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wirksam wie Kalorienrestriktion<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der vielf\u00e4ltigen Wirkungen von Resveratrol ist hoch spezifisch \nf\u00fcr diese Substanz und sorgt vor allem in der Anti-Aging-Medizin f\u00fcr \nAufsehen. Resveratrol hat auf unterschiedliche Organismen die gleiche \nlebensverl\u00e4ngernde Wirkung wie eine anhaltende Kalorienrestriktion \n(Calorie restriction, CR). Es z\u00e4hlt somit zu den CR-Mimetika.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kalorienrestriktion geh\u00f6rt zu den am l\u00e4ngsten bekannten, am \nbesten untersuchten und umfassend dokumentierten Therapieans\u00e4tzen der \nAnti-Aging-Medizin. Bis heute ist sie die einzige interventionelle \nMa\u00dfnahme, f\u00fcr die experimentell eine tats\u00e4chliche Lebensverl\u00e4ngerung \nnachgewiesen werden konnte.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits in den 1930er-Jahren berichte Clive McCay von Versuchen, \nwonach Laborratten, deren Nahrungsaufnahme um 30 Prozent reduziert \nwurde, eine um bis zu 50 Prozent verl\u00e4ngerte Lebenserwartung hatten \n(28). Diese Pionierarbeiten wurden seitdem mit unterschiedlichen \nSpezies, vom Fadenwurm bis zum Primaten, wiederholt und konnten den \nEffekt nahezu ausnahmslos f\u00fcr alle biologischen Organismen best\u00e4tigen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lange Zeit war nicht bekannt, auf welche Weise die  Kalorienrestriktion lebensverl\u00e4ngernd wirkt. Der Mechanismus wurde erst  in den letzten Jahren aufgekl\u00e4rt. Im Wesentlichen besteht er in einer  Form des \u00bbgene silencing\u00ab. \u00dcber die Induktion von Nicotinamid (NAD)  bewirkt CR in erster Linie eine Aktivierung sogenannter Sirtuine (SIR).  Unter deren Einfluss kommt es in der Zelle zu einer vermehrten  DNA-Reparatur, wodurch die Einzelzelle l\u00e4nger \u00fcberlebt. In der Folge  verl\u00e4ngert sich die Lebensspanne des Organismus (29, 30). Dieser  Mechanismus wurde zun\u00e4chst an den klassischen Versuchsmodellen  genetischer Forschung (B\u00e4ckerhefe, Fadenwurm, Taufliege) erforscht, ist  allerdings nach neuesten Studien offensichtlich universell wirksam.  Inzwischen wurde der Sirtuin-Mechanismus auch an Humanzellen  nachgewiesen (31).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vielversprechende Sirtuine<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sirtuine sind Histon-Deacetylasen (HDAC) der Klasse III, die Histonproteine \u00fcber einen NAD<sup>+<\/sup>-abh\u00e4ngigen\n Mechanismus deacetylieren. Diese und andere posttranslationale \nVer\u00e4nderungen an den Seitenketten einzelner Aminos\u00e4uren von \nHistonproteinen tragen dazu bei, die Aktivierung und Stilllegung von \nbestimmten Genabschnitten zu regulieren. Solche Kontrollmechanismen der \nGenexpression jenseits der DNA-Sequenz, die nicht ver\u00e4ndert wird, werden\n als Epigenetik bezeichnet. Sirtuine k\u00f6nnen auch mit \nNicht-Histonproteinen interagieren zum Beispiel dem \nTumorsuppressor-Protein p53. Bislang kennt man etwa sieben Sirtuine, \nderen Bedeutung und Funktion intensiv erforscht werden. Inhibitoren der \nHDACs k\u00f6nnten eine neue Klasse von Antitumor-Wirkstoffen bilden, \nRegulatoren der Sirtuine k\u00f6nnten generelle Signaltransduktionswege und \nden Alterungsprozess beeinflussen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch wenn das Modell auf den Menschen \u00fcbertragbar w\u00e4re, liegt \ndie weitaus h\u00f6here H\u00fcrde in der Umsetzung. In einer Zeit, in der die \nmeisten Menschen Probleme haben, ihr K\u00f6rpergewicht auch nur im oberen \nNormbereich zu halten, ist eine langfristige systematische \nKalorienrestriktion um 30 Prozent wohl nur f\u00fcr eine asketisch gestimmte \nMinderheit eine tats\u00e4chliche Option.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr fr\u00fch begann daher die Suche nach sogenannten CR-Mimetika. Dies \nsind Substanzen, die die gleichen biochemischen Prozesse aktivieren wie \neine Kalorienreduktion, ohne dass der Mensch&nbsp;eine andauernde Hungerdi\u00e4t \neinhalten muss. F\u00fcndig geworden sind die Forscher beim Resveratrol. \nInsbesondere die Arbeitgruppe um D. Sinclair konnte nachweisen, dass das\n Molek\u00fcl bei niederen Organismen die gleiche lebensverl\u00e4ngernde Wirkung \nzeigt wie eine hypokalorische Kost (32). Der Vorteil der \nSupplementierung lag zudem darin, dass diese im Gegensatz zum \nUntergewicht die Fertilit\u00e4t nicht reduzierte (33).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweifellos sind dies lediglich erste Ergebnisse, die in weiteren \nUntersuchungen an h\u00f6heren Organismen \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen. \nFestzuhalten bleibt jedoch: Resveratrol ist die derzeit einzige \nSubstanz, f\u00fcr die experimentell eine signifikante Lebensverl\u00e4ngerung \nnachgewiesen werden konnte.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist dabei nat\u00fcrlich, dass die gewonnene Lebensspanne auch  gesunde Lebenszeit ist. Hierf\u00fcr gibt es deutliche Anhaltspunkte. Danach  geht eine Aktivierung des Sirtuin-Mechanismus nicht nur mit einer  Verl\u00e4ngerung der Gesamtlebenszeit einher, sondern auch mit einer  deutlichen Reduktion altersassoziierter Abbauvorg\u00e4nge, insbesondere im  Bereich der Neurodegeneration (34). F\u00fcr Forscher und  Anti-Aging-Mediziner wird Resveratrol somit mehr und mehr zu einer  Schl\u00fcsselsubstanz f\u00fcr gesundes Altern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Metabolisches Syndrom gebremst <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber eine weitere spektakul\u00e4re Wirkung von Resveratrol berichtete die\n Arbeitsgruppe von David A. Sinclair im November 2006 in Nature (35). In\n einer dreiarmigen Studie untersuchte sie die Lebenserwartung und den \nGesundheitszustand von schlanken und adip\u00f6sen M\u00e4usen sowie von adip\u00f6sen \nM\u00e4usen, die zus\u00e4tzlich Resveratrol bekamen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erwartungsgem\u00e4\u00df erkrankten und verstarben die dicken M\u00e4use sehr viel \nschneller als die schlanken. In dem Kollektiv, in dem Resveratrol \nzugef\u00fchrt wurde, erreichten sie jedoch das gleiche Alter wie die \nschlanken Nager und zwar ohne jegliches Zeichen eines metabolischen \nSyndroms. Die Autoren f\u00fchren dies vor allem auf eine deutliche \nVerbesserung der Insulinsensitivit\u00e4t durch Resveratrol zur\u00fcck (35). Die \nchronische Hyperinsulin\u00e4mie mit einer sich daraus entwickelnden \nkonsekutiven Insulinresistenz gilt inzwischen als der entscheidende \npathogenetische Faktor in der Entwicklung des metabolischen Syndroms.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweifellos handelt es sich bei diesen Untersuchungen um erste  Tierversuche, die durch weitere Studien abgesichert werden m\u00fcssen. Nach Meinung der Autoren k\u00f6nnte die Verbesserung der Insulinresistenz durch Resveratrol v\u00f6llig neue Perspektiven in der Therapie und Pr\u00e4vention Adipositas-assoziierter Erkrankungen er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kernproblem Pharmakokinetik <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem der Pharmakokinetik entpuppt sich immer mehr als  Schl\u00fcsselfrage in der klinischen Anwendung von Resveratrol. Die h\u00f6chst  eindrucksvollen Effekte in vitro wurden mit sehr unterschiedlichen Dosierungen erzielt. Somit stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, ob  Resveratrol in vivo \u00fcberhaupt in nennenswerter Weise resorbiert wird und  an den jeweiligen Zielorten in ausreichender Konzentration ankommt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Walle und Mitarbeiter konnten zeigen, dass Resveratrol nach peroraler\n Gabe vom Menschen gut aufgenommen, jedoch rasch metabolisiert wird. \nBereits 30 Minuten nach Verabreichung lag nahezu die gesamte Menge in \nglukuronidierter oder konjugierter Form vor. Freies Resveratrol war nur \nnoch in Spuren nachweisbar (36).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zurzeit wird kontrovers diskutiert, ob nur das frei vorliegende \nResveratrol oder auch die Metaboliten biologisch wirksam sind. \nInteressant sind Hinweise, dass die Sulfatierung durch andere \nRotweinpolyphenole, zum Beispiel Quercetin, inhibiert wird (37). Dies \nk\u00f6nnte erkl\u00e4ren, warum die relativ geringen Mengen von Resveratrol, die \nin einem bis zwei Gl\u00e4sern Rotwein enthalten sind, dennoch positive \ngesundheitliche Effekte entfalten.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die CR-mimetische Wirkung des Resveratrols zu nutzen, reicht der \nGenuss von Rotwein nicht aus. Zudem schwankt die Konzentration des \nPolyphenols in verschiedenen Sorten je nach Traube, Terroir und \nVerarbeitung. Besonders Resveratrol-reicher Rotwein enth\u00e4lt etwa 10 mg \npro Flasche (38). Rechnet man die von Sinclair in seinen Mausversuchen \nverwendeten Konzentrationen auf den Menschen hoch, m\u00fcsste dieser t\u00e4glich\n mindestens 120 mg aufnehmen. Es ist unschwer nachzuvollziehen, dass \ndies mit Rotwein allein nicht zu bewerkstelligen ist. Entsprechend hoch \nkonzentrierte Supplemente k\u00f6nnten daher durchaus sinnvoll sein. Da \nandere Rotweinpolyphenole wie Quercetin oder Catechin synergistische \nWirkungen zum Resveratrol entfalten und dessen Metabolisierung positiv \nbeeinflussen, sollten diese ebenfalls in den Pr\u00e4paraten enthalten sein.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Toxische Effekte stellen sich erst bei extrem hoher Dosierung ein. Im  Rattenversuch wurden 300 mg\/kg K\u00f6rpergewicht verf\u00fcttert, ohne dass  Nebenwirkungen auftraten. In Megadosen von 3000 mg\/kg wurden unter anderem F\u00e4lle von Nierensch\u00e4den beobachtet. Der Acceptable Daily Intake  (ADI) wurde mit 390 mg Resveratrol f\u00fcr einen 65 kg schweren Menschen  errechnet (39).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vom Wein zum Analogon<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine vielf\u00e4ltigen und zum Teil sehr spezifischen Wirkungen auf die  Gesundheit und die Lebenserwartung machen Resveratrol derzeit zu einer  der interessantesten Substanzen im Phytobereich. Der Einsatz von Supplementen erscheint sinnvoll, denn nur so k\u00f6nnen dauerhaft hohe Dosen  zugef\u00fchrt werden, ohne alkoholtoxische Sch\u00e4den bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen.  Allerdings muss die Frage der Bioverf\u00fcgbarkeit weiter gekl\u00e4rt werden.  Erste Versuche, die spezifische Wirksamkeit von Resveratrol durch  chemische Modifikation weiter zu erh\u00f6hen und somit neue, gegebenenfalls auch patentierbare Substanzen zu schaffen, laufen bereits in mehreren  Forschungslabors.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Literaturhinweise<\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><em>Paul, B., et al., Occurrence of resveratrol and pterostilbene  in age-old Darakchasava, an Ayurvedic medicine from India. J.  Ethnopharmocol. 68 (1999) 71-76. <\/em><\/li><li><em>Renaud, S., de Lorgeril, M.,  Wine, Alcohol, Platelets and the French Paradox for Coronary Heart  Disease. Lancet 339 (1992) 1523-1526. <\/em><\/li><li><em>Ignatowicz, E.,  Baer-Dubowska, W., Resveratrol, a natural chemopreventive agent against  degenerative diseases. Pol. J. Pharmacol. 53 (6) (2001) 557-569. <\/em><\/li><li><em>Criqui, M. H., Ringel, B. L., Does Diet or Alcohol Explain the French Paradox? Lancet 344 (1994) 1719-1723. <\/em><\/li><li><em>Hung,  L. M., et al., Cardioprotective effect of resveratrol, a natural  antioxidant derived from grapes. Cardiovasc. Res. 47 (2000) 549-555. <\/em><\/li><li><em>Klatsky,  A. L., Armstrong, M. A., Friedman, G. D., Red wine, white wine, liquor,  beer and risk for coronary artery disease hospitalization. Am. J.  Cardiol. 80 (1997) 416-420. <\/em><\/li><li><em>Gronbaek, M., et al., Mortality Associated with Moderate Intakes of Wine, Beer, or Spirits. Brit. Med. J. 310 (1995) 1165-1169. <\/em><\/li><li><em>Gould,  K. S., Nature\u00b4s Swiss Army Knife: The Diverse Protective Roles of  Anthocyanins in Leaves. J. Biomed. Biotechnol. 5 (2004) 314-320. <\/em><\/li><li><em>Leonard,  S., et al., Resveratrol scavenges reactive oxygen species and effects  radical-induced cellular responses. Biochem. Biophys. Res. Commun. 309  (2003) 1017-1026. <\/em><\/li><li><em>Martinez, J., Moreno, J. J., Effect of  resveratrol, a natural polyphenolic compound, on reactive oxygen species  and prostaglandin production. Biochem. Pharmacol. 59 (2000) 865-870. <\/em><\/li><li><em>Steinberg,  D., et al., Beyond cholesterol. Modifications of low-density  lipoprotein that increase its atherogenicity. N. Engl. J. Med. 320  (1989) 915-924. <\/em><\/li><li><em>Frankel, E. N., Waterhouse, A. L., Kinsella,  J. E., Inhibition of human LDL oxidation by resveratrol. Lancet 341  (1993) 1103-1104. <\/em><\/li><li><em>Olas, B., et al., Inhibitory effect of  resveratrol on free radical generation in blood platelets. Acta Biochem.  Pol. 46 (1999) 961-966. <\/em><\/li><li><em>Virgili, M., Contestabile, A.,  Partial neuroprotection of in vivo excitotoxic brain damage by chronic  administration of the red wine antioxidant agent, trans-resveratrol in  rats. Neurosci. Lett. 281 (2000) 123-126. <\/em><\/li><li><em>Savaskan, E., et al., Red wine ingredient resveratrol protects from beta-amyloid neurotoxicity. Gerontology 49 (2003) 380-383. <\/em><\/li><li><em>Willerson, J. T., Ridker, P. M., Inflammation as a cardiovascular risk factor. Circulation 109 (2004) II2-II10. <\/em><\/li><li><em>McGeer,  E. G., McGeer, P. L., Inflammatory processes in Alzheimer`s disease.  Prog. Neuropsychopharmacol. Biol. Psychiatry 27 (2003) 741-749. <\/em><\/li><li><em>Philip,  M., Rowley, D. A., Schreiber, H., Inflammation as a tumor promoter in  cancer induction. Semin. Cancer Biol. 14 (2004) 433-439. <\/em><\/li><li><em>Subbaramaiah,  K., et al., Resveratrol inhibits cyclooxygenase-2 transcription in  human mammary epithelial cells. 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Science 289 (2000) 2126-2128. <\/em><\/li><li><em>Anderson,  R. M., et al., Nicotinamide and PNC1 govern lifespan extension by  calorie restriction in Saccharomyces cerevisiae. Nature 423 (2003)  181-185. <\/em><\/li><li><em>Langley, E., et al., Human SIR2 deacetylates p53 and  antagonizes PML\/p53-induced cellular senescence. EMBO J. 21 (2002)  2383-2396. <\/em><\/li><li><em>Howitz, K. T., et al., Small molecule activators of  sirtuins extend Saccharomyces cerevisiae lifespan. Nature 425 (2003)  191-196. <\/em><\/li><li><em>Wood, J. G., et al., Sirtuin activators mimic calorie restriction and delay ageing in metazoans. Nature 430 (2004) 686-689. <\/em><\/li><li><em>Araki,  T., Sasaki, Y., Milbrandt, J., Increased nuclear NAD biosynthesis and  SIRT1 activation prevent axonal degeneration. Science 305 (2004)  1010-1013. <\/em><\/li><li><em>Baur, J. A., et al., Resveratrol improves health and survival of mice on a high-calorie diet. 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