{"id":4109,"date":"2020-02-20T14:32:05","date_gmt":"2020-02-20T13:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=4109"},"modified":"2020-04-06T10:00:07","modified_gmt":"2020-04-06T08:00:07","slug":"neue-gen-techniken","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/fakten-widerreden\/gentechnik\/neue-gen-techniken\/","title":{"rendered":"Neue Gen-Techniken"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Genome Editing:  <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">CRISPR, Zinkfinger &amp; Co: In Fachbl\u00e4ttern und Tageszeitungen \nh\u00e4ufen sich Erfolgsmeldungen aus Laboren, in denen das Erbgut von \nPflanzen und Tieren mittels neuer Methoden ver\u00e4ndert wird. Einige der \nTechniken werden unter dem Sammelbegriff &#8222;Genome Editing&#8220; gef\u00fchrt. \nWissenschaftler und Firmen wollen, dass ihre Organismen nicht als \nGentechnik betrachtet werden. Das w\u00fcrde die Vermarktung n\u00e4mlich deutlich\n erleichtern. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Z\u00fcchtungstechniken<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den vergangenen Jahren wurden neue molekularbiologische Techniken \nzur \u201eVerbesserung\u201c von Pflanzen, aber auch Tieren, entwickelt. Diese \nnutzen oft nat\u00fcrliche Reparaturmechanismen der Zelle aus, um \u00c4nderungen \nim Genom herbeizuf\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offen ist, ob die so erzeugten Organismen rechtlich als \u201cgenetisch \nver\u00e4ndert\u201c gelten m\u00fcssen oder nicht. Denn bei \u201eGentechnik\u201c handelt es \nsich zun\u00e4chst einmal um einen juristischen Begriff. Die Definition ist \ndaher entscheidend, ob Pflanzen das aufwendige \nGentechnik-Zulassungsverfahren durchlaufen und als solche gekennzeichnet\n werden m\u00fcssen &#8211; oder ob eine einfache Registrierung reicht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist es den Saatgut-Firmen so wichtig, dass ihre neuen \nTechnologien und Pflanzen nicht als Gentechnik eingestuft werden? \nGentechnik gilt als Risikotechnologie. Daher m\u00fcssen gentechnisch \nver\u00e4nderte Organismen in der EU ein spezielles Zulassungsverfahren \ndurchlaufen (das allerdings immer wieder als zu industrienah&nbsp; kritisiert\n wird). Laut gemeinsamer Forschungsstelle der EU-Kommission (Joint \nResearch Centre &#8211; JRC) belaufen sich die Kosten des &#8222;regulatorischen \nPakets&#8220; f\u00fcr Gentechnik-Pflanzen auf 10-15 Millionen Euro (eine \nGentech-Pflanze auf den EU-Markt zu bringen koste insgesamt 70 bis 90 \nMillionen Euro). Die Registrierungskosten f\u00fcr eine konventionell \ngez\u00fcchtete Pflanze liegen hingegen bei einigen 10.000 Euro &#8211; also \ndeutlich geringer. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus ist der Anbau von Gentechnik-Pflanzen in Europa an \nAuflagen gekoppelt. So m\u00fcssen zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik \nAbst\u00e4nde eingehalten werden. Gentechnisch ver\u00e4nderte Produkte m\u00fcssen vor\n dem Verkauf gekennzeichnet werden. F\u00fcr die neuen Technologien ist das \nalles nicht der Fall. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist also sowohl f\u00fcr die Entwickler der Pflanzen als auch f\u00fcr  Landwirte und Verbraucher von entscheidender Bedeutung, ob die mit den  neuen Techniken gez\u00fcchteten Organismen als Gentechnik eingestuft werden  oder nicht. \u00dcber die teils komplizierten Details gehen die Meinungen  jedoch stark auseinander. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie werden die Techniken beurteilt?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission, die New Techniques Working \nGroup (NTWG), legte 2011 ihren Bericht zur Bewertung neuer \nZ\u00fcchtungstechnologien vor: Welche sollten als Gentechnik gelten und \nwelche nicht? Entscheidungskriterien waren die Gr\u00f6\u00dfe der genetischen \nKonstrukte, ob sie im Organismus verbleiben und ob die Ver\u00e4nderung bei \nder Ziel-Pflanze nachweisbar ist. Die deutschen Mitglieder der NTWG und \ndie Zentrale Kommission f\u00fcr die Biologische Sicherheit (ZKBS) folgten \nder Einsch\u00e4tzung der EU-Arbeitsgruppe weitestgehend. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Forschungsinstitut f\u00fcr biologischen Landbau FIBL beleuchtete die \nneuen Techniken hingegen aus einem anderen Blickwinkel. Gentechnik ist \nim \u00d6kolandbau prinzipiell ausgeschlossen. Dar\u00fcber hinaus werden auch \nZ\u00fcchtungsmethoden kritisch beurteilt, welche die Integrit\u00e4t der Zelle \nverletzen. Die Molekularbiologin Ricarda Steinbrecher von der \nnicht-kommerziellen Forschungsorganisation Econexus erkl\u00e4rte, die neuen \nTechniken h\u00e4tten ein &#8222;eigenes Set an Risiken und Unsicherheiten&#8220;, die \nteilweise noch zu den Bedenken gegen\u00fcber &#8222;alten Gentechniken&#8220; \nhinzuk\u00e4men. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Juristische Gutachten aus Deutschland sehen in den neuen Verfahren  ganz klar Gentechnik. Die Kriterien der EU-Gentechnikrichtlinie seien  erf\u00fcllt, so Professor Tade Matthias Spranger von der Universit\u00e4t Bonn in  einem Gutachten f\u00fcr das Bundesamt f\u00fcr Naturschutz sowie Professor  Ludwig Kr\u00e4mer in einem Gutachten f\u00fcr Umweltverb\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was ist anders bei den neuen Techniken?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch bei den neuen Techniken wird mittels gentechnischer Konstrukte \ndie Erbinformation einer Pflanze ver\u00e4ndert. Zwar werden nicht wie bisher\n ganze Gene ungerichtet in die Zelle geschleust (Transgenese), doch auch\n Konstrukte, die nicht als ganzes Gen eingebaut werden, k\u00f6nnen zu \nungewollten Genver\u00e4nderungen f\u00fchren und unvorhersehbare Nebeneffekte \nausl\u00f6sen. Einige Techniken bedienen sich der gentechnischen Konstrukte \nnur in einem Zwischenschritt, die entstehenden Ver\u00e4nderungen am Genom &#8211; \nund auch eventuell eingetretene ungewollte Genomver\u00e4nderungen &#8211; werden \nvererbt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Bericht des Joint Research Centre der EU-Kommission wird \ndeutlich, dass zu den neuen Techniken nur wenige Studien vorliegen. \nTechnikspezifische Probleme sind aber durchaus zu erwarten. So ist bei \nder Technik des Gen-Silencing, also dem Abschalten bestimmter \nGenabschnitte, derzeit nicht klar, wann die Abschaltung wieder aufgel\u00f6st\n wird oder gar durch die Ver\u00e4nderung die Genaktivit\u00e4t besonders \nangekurbelt wird. Die Abschaltung ist vererbbar und kann sich damit \nausbreiten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neuseel\u00e4ndische Forscher wiesen in einer Studie von 2013 auf m\u00f6gliche\n Risiken hin. Sie empfahlen dringend eine Sicherheitspr\u00fcfung derart \nhergestellter Organismen. Alle neuen Techniken seien noch jung, viele \nMechanismen nicht v\u00f6llig klar. Einige dieser Pflanzen werden derzeit in \nFreilandversuchen erprobt und angebaut. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nicht nur der technische Eingriff ins Genom selbst birgt \nRisiken. Auch die eingebrachten Eigenschaften stehen in der Kritik. Der \nGro\u00dfteil der gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen ist herbizidresistent. An\n diesem Z\u00fcchtungsziel hat sich, wie aus dem Bericht des Joint Research \nCentre der EU-Kommission hervor geht, auch bei den neuen Techniken \nnichts ge\u00e4ndert. Die Folgen des Anbaus von herbizidresistenten Pflanzen,\n gentechnisch ver\u00e4ndert oder nicht, bleiben die gleichen. Die massive \nAnwendung von Spritzmitteln f\u00fchrt zu mehr R\u00fcckst\u00e4nden und Abbaustoffen \nund somit zu einer Gesundheitsgefahr f\u00fcr Umwelt, Mensch und Tier. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch mit einer weiteren Zunahme von resistenten Unkr\u00e4utern ist zu \nrechnen. In einer Datenbank, an der Gentech- und Pestizidhersteller wie \nMonsanto und Syngenta beteiligt sind, sind schon 250 solcher \nUnkrautarten gelistet. Herbizidresistente Systeme, ob Gentechnik oder \naus konventioneller Z\u00fcchtung, versch\u00e4rfen diese Entwicklung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic \nRepeats) werden sich auf bestimmte Weise wiederholende DNA-Abschnitte \nbezeichnet. Sie kommen bei verschiedenen Lebewesen, z.B. Bakterien vor, \ndie damit fremde DNA als Eindringling erkennen und bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese nat\u00fcrliche Reaktion nutzt die CRISPR-Cas-Technik. Sie z\u00e4hlt zu \nden neuen Gentechnik-Verfahren, die als &#8222;Genome Editing&#8220; immer mehr \nAufmerksamkeit erfahren. Cas ist ein Enzym, das die DNA an vorgegebenen \nStellen schneiden und so f\u00fcr \u00c4nderungen sorgen soll. Unternehmen und \nWissenschaftler erkl\u00e4ren CRISPR-Cas f\u00fcr deutlich pr\u00e4ziser als die \n&#8222;klassische&#8220; Gentechnik, die mit der sog. Gen-Kanone oder Agrobakterien \narbeitet. Konzerne wie Dupont und Monsanto haben erste \u201eProdukte\u201c in der\n Entwicklung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klar ist aber auch: fehlerhafte Schnitte in der Erbsubstanz k\u00f6nnen \nnicht verhindert, unbeabsichtigte DNA-Mutationen und daraus \nresultierende Risiken f\u00fcr Mensch und Umwelt nicht ausgeschlossen werden.\n Einige Wissenschaftler und Gentechnik-Kritiker mahnen deshalb zur \nVorsicht. (Und nicht nur die: Genome-Editing-Techniken wie CRISPR \nk\u00f6nnten laut dem Nationalen Geheimdienstdirektor der USA f\u00fcr die \nHerstellung von &#8222;Massenvernichtungswaffen&#8220; missbraucht werden). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unklar ist bislang, ob CRISPR-Cas als Gentechnik eingestuft wird. Nur  dann muss eine Risikopr\u00fcfung sowie ein Monitoring in der Umwelt  erfolgen. Produkte, die mit diesem Verfahren hergestellt werden, m\u00fcssten  gekennzeichnet werden. Erste wissenschaftliche und juristische  Gutachten ordnen das CRISPR-Cas-Verfahren klar der Gentechnik zu. Die  finale Entscheidung erfolgt durch die EU-Kommission, die dies zuletzt  auf M\u00e4rz 2016 verschob. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was kommt auf die Landwirte zu?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Landwirte bergen die biotechnologisch erzeugten, aber nicht als \n\u201eGentechnik\u201c klassifizierten Pflanzen neue Risiken. Wenn die Methoden \nnicht unter das Gentechnik-Gesetz fallen, unterliegen sie weder einem \nZulassungsverfahren mit Risikopr\u00fcfung noch Kennzeichnungs- oder \nKoexistenzregelungen. Wenn mit den neuen Verfahren problematische \nEigenschaften, wie beispielsweise eine Herbizidresistenz erzeugt werden,\n gibt es so weder Schutz vor Auskreuzungen noch Haftungsanspr\u00fcche. Da \ndie neuen Techniken Organismen hervorbringen, die patentrechtlich \ngesch\u00fctzt sein k\u00f6nnen, werden Z\u00fcchter und Landwirte zus\u00e4tzlich der \nM\u00f6glichkeit beraubt, das Saatgut wie gehabt weiterentwickeln zu k\u00f6nnen. \nDas Landwirte- und Z\u00fcchterprivileg, das bei konventionellen Pflanzen im \nSortenschutzrecht verankert ist, wird ausgeh\u00f6hlt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr nicht gentechnisch ver\u00e4nderte, herbizidresistente Pflanzen sah \ndie damalige schwarz-gelbe Bundesregierung keine Rechtsgrundlage f\u00fcr \neine ver\u00e4nderte Zulassungspr\u00fcfung, wie sie 2012 in ihrer Antwort auf \neine Anfrage der Gr\u00fcnen zum &#8222;Clearfield&#8220;-Raps schrieb.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Oligonukleotid-gesteuerten Mutagenese (OgM) wird gezielt mit \nHilfe eines synthetisch hergestellten Konstruktes aus Nukleotiden, den \nGrundbausteinen der DNA, ein zelleigener Reparaturmechanismus ausgel\u00f6st \nund eine dauerhafte Mutation in der Erbsubstanz der Pflanze bewirkt. Aus\n dem 2011 ver\u00f6ffentlichten Bericht der europ\u00e4ischen Forschungsstelle JRC\n wird klar, dass die Effizienz der Technik derzeit sehr gering ist. Eine\n Interaktion mit anderen Genorten durch die Einf\u00fchrung der \nNukleotid-Konstrukte kann nicht ausgeschlossen werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer anderen neuen Technologie, der RNA-abh\u00e4ngigen  DNA-Methylierung, wird das Auslesen bestimmter Gene mittels eines  Konstruktes beeinflusst, welches aus RNA, die als Zwischenspeicher in  der Zelle dienen, besteht. Die \u201eAbschaltung\u201c des Gens wird an die  Nachkommen vererbt. Ob das eingesetzte RNA-Konstrukt auch das Abschalten  nicht gew\u00fcnschter Gene verursacht, wie lange das Ablesen unterdr\u00fcckt  wird und ob es auch die Genaktivit\u00e4t ankurbeln k\u00f6nnte anstatt sie zu  unterdr\u00fccken, ist noch nicht gekl\u00e4rt. Die Technik wird vor allem bei  einem Markergen getestet, das in vielen gentechnisch ver\u00e4nderten  Pflanzen und Mikroorganismen eingebaut ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gesetzliche Definition von &#8222;Gentechnik&#8220;: Wo stehen die Neuen?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Gentechnik&#8220; ist ein juristischer Begriff. Er wird in der EU in der Richtlinie 2001\/18\/EG beschrieben. Dort hei\u00dft es: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>1. &#8222;Organismus&#8220;: jede biologische Einheit, die f\u00e4hig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu \u0327\u00fcbertragen; <br>2.\n &#8222;genetisch ver\u00e4nderter Organismus (GVO)&#8220;: ein Organismus mit Ausnahme \ndes Menschen, dessen genetisches Material, wie es auf nat\u00fcrliche Weise \ndurch Kreuzen und\/oder nat\u00fcrliche Rekombination nicht m\u00f6glich ist <\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verfahren, die zu einem gentechnisch ver\u00e4nderten Organismus f\u00fchren, \nwerden in Anhang 1 der Richtlinie gelistet. Dazu z\u00e4hlen alle Techniken, \nbei denen zun\u00e4chst Genabschnitte au\u00dferhalb des Organismus erzeugt und \ndann in den Zielorganismus eingebracht werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die NTWG, die Arbeitsgruppe zu neuen Technologien der EU-Kommission, \nist bei ihrer Einsch\u00e4tzung der neuen Techniken zum Schluss gekommen, \ndass einige der Verfahren keine GVO im Sinne der Richtlinie 2001\/18 \nerzeugen. Techniken, deren k\u00fcnstliche Gen-Konstrukte eine bestimmte \nGr\u00f6\u00dfe unterschreiten, seien nicht als Gentechnik zu bewerten. Auch wenn \ndie gentechnische Ver\u00e4nderung im Zielorganismus so klein ist, dass diese\n auch durch eine nat\u00fcrlich vorkommende Mutation h\u00e4tte ausgel\u00f6st werden \nk\u00f6nnen, sollen die Methoden nicht der Richtlinie unterliegen. Zu diesen \nTechniken z\u00e4hlen die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese (OgM) und \nmanche Formen der Zink-Finger-Nuklease. Sie seien von Genver\u00e4nderungen, \ndie auf nat\u00fcrliche Weise entstehen, nicht zu unterscheiden und k\u00f6nnten \nauch nicht nachgewiesen werden. Andere Juristen widersprechen diesem \nArgument (siehe unten). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Techniken, bei denen die gentechnische Ver\u00e4nderung in den \nZwischenschritten, aber nicht im Zielorganismus vorhanden ist, sollen \nlaut NTWG von der Gentechnik-Richtlinie ausgenommen werden. Hierzu z\u00e4hlt\n die Reverse Z\u00fcchtung oder auch die schon oben beschriebene \nRNA-abh\u00e4ngige DNA-Methylierung, die zu einer Gen-Abschaltung f\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei juristische Gutachten aus Deutschland kommen hingegen zu dem \nSchluss, dass die neuen Verfahren als Gentechnik eingestuft werden \nk\u00f6nnen und m\u00fcssen. Denn, so Professor Tade Matthias Spranger von der \nUniversit\u00e4t Bonn in einem Gutachten f\u00fcr das Bundesamt f\u00fcr Naturschutz, \nes w\u00fcrden Nukleins\u00e4uren eingef\u00fchrt und so \u201ezielgerichtet in einem \nOrganismus Ver\u00e4nderungen vorgenommen, die in dieser Weise in diesem \nkonkret zur Beurteilung anstehenden Organismus mit Sicherheit nicht \naufgetreten w\u00e4ren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Professor Ludwig Kr\u00e4mer erkl\u00e4rte in seinem Gutachten: f\u00fcr die \nAnwendung des Gentechnik-Rechts sei entscheidend, in welcher Weise \ngenetisches Material ver\u00e4ndert wird. Ob hingegen das Endresultat von \nnat\u00fcrlich auftretenden Ver\u00e4nderungen zu unterscheiden sei, sei nicht von\n Belang. Genau das ist aber eines der Hauptargumente der \nGentechnik-Industrie. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das \u00f6sterreichische Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit sind \nverschiedene Szenarien denkbar: entweder die neuen Techniken fallen \nebenfalls unter die bestehende Gentechnik-Gesetzgebung, oder die \nRisikobewertung derart hergestellter Pflanzen wird angepasst oder die \nneuen Techniken werden aus dem bestehenden Rechtsrahmen ausgenommen. F\u00fcr\n das Ministerium ist jedoch klar, dass die Risikobewertung von Pflanzen,\n die mit neuen Techniken entwickelt wurden, nach den gleichen Prinzipien\n erfolgen muss wie bei Gentechnik-Pflanzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genome Editing: CRISPR, Zinkfinger &amp; Co: In Fachbl\u00e4ttern und Tageszeitungen h\u00e4ufen sich Erfolgsmeldungen aus Laboren, in denen das Erbgut von Pflanzen und Tieren mittels neuer Methoden ver\u00e4ndert wird. 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