{"id":4099,"date":"2020-02-20T14:14:54","date_gmt":"2020-02-20T13:14:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=4099"},"modified":"2020-04-06T09:59:13","modified_gmt":"2020-04-06T07:59:13","slug":"gentechnik-pro-und-kontra","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/fakten-widerreden\/gentechnik\/gentechnik-pro-und-kontra\/","title":{"rendered":"Gentechnik &#8211; Pro und Kontra"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \nGentechnik ist ein ziemlich umstrittenes&nbsp;Teilgebiet der Biotechnologie. \nSie ist ein auf den Kenntnissen der Molekularbiologie aufbauendes \nVerfahren zur Anwendung gezielter Eingriffe in das Erbgut und\/oder in \ndie biochemischen Steuerungsvorg\u00e4nge von Lebewesen bzw. viraler Genome. \nDas Thema wird sehr kontrovers diskutiert. Es gibt Bef\u00fcrworter und es \ngibt eingefleischte Gegner. Doch was genau ist das eigentlich: die \nGentechnik? Ich m\u00f6chte Ihnen Informationen geben und so die \nVoraussetzung daf\u00fcr schaffen, dass Sie selbst in der Lage sind, sich ein\n Bild zu machen und eine eigene Meinung dar\u00fcber bilden k\u00f6nnen.\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es werden drei gro\u00dfe Anwendungsbereiche der Gentechnik unterschieden:<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Die gr\u00fcne Gentechnik (alternativ: Agro-Gentechnik):<\/strong>\n Die Anwendung gentechnischer Verfahren in der Pflanzenz\u00fcchtung, die \nNutzung gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen in der Landwirtschaft und im \nLebensmittelsektor. <\/li><li><strong>Die gelbe oder rote Gentechnik: <\/strong>Die \nAnwendung der Gentechnik in der Medizin zur Entwicklung von \ndiagnostischen und therapeutischen Verfahren und von Arzneimitteln. <\/li><li><strong>Die graue oder wei\u00dfe Gentechnik:<\/strong>\n Die Nutzung gentechnisch ver\u00e4nderter Mikroorganismen zur Herstellung \nvon Enzymen oder Feinchemikalien f\u00fcr industrielle Zwecke, in der \nMikrobiologie und der Umweltschutztechnik. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begriffe Gr\u00fcne, Gelbe\/Rote und Graue\/Wei\u00dfe Gentechnik sind keine fest definierten  Bezeichnungen. Im \u00f6ffentlichen Sprachgebrauch ist nur die Bezeichnung  \u201eGr\u00fcne Gentechnik\u201d weiter verbreitet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere erforscht die Gentechnik die Methoden zur Isolierung von  Genen und zur Herstellung neukombinierter DNA, vor allem auch \u00fcber  Art-Grenzen hinweg. Dies ist m\u00f6glich, weil (fast) alle Lebewesen  denselben genetischen Code benutzen (siehe aber: codon usage). Als Ziele gentechnischer Anwendungen werden die Verbesserung des Saatgutes oder  die einfachere Herstellung von Medikamenten genannt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technik zur Ver\u00e4nderung der Gene <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genauer besch\u00e4ftigt sich die Gentechnik mit der in vitro-Verkn\u00fcpfung von Nukleins\u00e4ure-Molek\u00fclen zu neuen, vermehrbaren Molek\u00fclen, die  Einf\u00fchrung solcher Molek\u00fcle in einen Empf\u00e4ngerorganismus und die  Vermehrung der neukombinierten Molek\u00fcle in diesem Organismus. Meistens  wird zun\u00e4chst die DNA eines Spenderorganismus isoliert und in Fragmente  brauchbarer Gr\u00f6\u00dfe zerlegt. Weiterhin muss ein geeigneter Vektor (ein  Transportvehikel zur \u00dcbertragung der Spender-DNA in eine Wirtszelle)  isoliert und aufgeschnitten werden. In einem dritten Schritt bringt man  die Vektor-DNA mit der fragmentarischen Spender-DNA zusammen und sorgt  daf\u00fcr, dass ein Fragment der Spender-DNA vom Vektor aufgenommen wird.  Danach \u00fcbertr\u00e4gt man die im Vektor neukombiniert vorliegende DNA in die  Zellen eines geeigneten Empf\u00e4ngerorganismus und vermehrt die Zellen mit  der gew\u00fcnschten neuen genetischen Information. Neue Entwicklungen  erm\u00f6glichen das Einpflanzen von Fremdgenen an vorherbestimmten Orten im  Genom; dadurch werden die Produktionseigenschaften der modifizierten  Zelle vorhersagbar (RMCE-Kassettenaustauschverfahren). Wenn all dies  gelungen ist, stellen die Zellen des Empf\u00e4ngerorganismus z.B. ein vom  Menschen gew\u00fcnschtes Genprodukt her, etwa ein Protein, das in  gereinigtem Zustand vermarktet werden kann. Solcherart genetisch  modifizierte Organismen nennt man transgene Organismen oder gentechnisch  ver\u00e4nderte Organismen (GVO), zum Beispiel transgener Mais. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Vektoren werden oft Plasmide aus Bakterienzellen verwendet. Bei \nden Plasmiden handelt es sich um kleine, ringf\u00f6rmige DNA-Molek\u00fcle, die \neine Schnittstelle f\u00fcr ein Restriktionsenzym besitzen, das den \nPlasmidring \u00f6ffnet und dadurch f\u00fcr die Aufnahme von Fremd-DNA \nempf\u00e4nglich macht. Mit Hilfe von Ligasen wird die Fremd-DNA im Plasmid \nfest verankert. Nach dieser Manipulation muss das ver\u00e4nderte Plasmid \nnoch zur Vermehrung in eine Bakterienzelle eingeschleust werden. \nMithilfe bestimmter Chemikalien l\u00e4sst sich die Zellwand und Membran des \nBakteriums f\u00fcr die Aufnahme des Plasmids durchl\u00e4ssiger machen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alternativ kann die Fremd-DNA auch durch ein modifiziertes Virus, das  zur eigenen DNA auch die Spender-DNA und die DNA eines Plasmids tr\u00e4gt,  in die Zelle des Empf\u00e4ngerorganismus gelangen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Begriff Gentechnik <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gentechnik bezeichnet die Analyse oder gezielte Ver\u00e4nderung von DNA-Sequenzen. Etliche Produkte, die f\u00fcr den Menschen interessant sind (zum Beispiel Insulin, Vitamine), werden von der Industrie mit Hilfe  genmanipulierter Bakterien hergestellt. F\u00fcr den medizinischen Bereich werden heute schon viele Medikamente gentechnisch produziert. In der  Landwirtschaft werden Nutzpflanzen gentechnisch \u201eoptimiert\u201d. Dabei  werden beispielsweise Resistenzen gegen Pestizide (z.B. Glyphosat oder  Glufosinat) oder Resistenzen gegen Sch\u00e4dlinge eingebaut. Dieses  Verfahren ist jedoch nicht ganz ohne Risiken. So besteht beispielsweise  die Gefahr, dass die ver\u00e4nderten Gene ungewollt auf andere  Wildtyp-Pflanzen derselben Art oder sogar auf andere Arten \u00fcbertragen  werden (zum Beispiel durch Pollenflug). In welchem Ma\u00dfe und unter  welchen Bedingungen dieser horizontale Gentransfer stattfindet wird  derzeit intensiv untersucht. Bei Ans\u00e4tzen zur Nutzung in gro\u00dfem Stil  (zum Beispiel Biopharming: Herstellung von Medikamenten durch  gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen) ist eine strenge Kontrolle notwendig.  Es gibt auch erste Ans\u00e4tze, Pflanzen mit verbesserten \u00d6len (zum Beispiel  Raps) oder erh\u00f6hten Vitaminkonzentrationen (beispielsweise der Golden  Rice) mit Hilfe der Gentechnik herzustellen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in der Medizin hat die Gentechnik Bedeutung erlangt. Die Zahl \nder gentechnisch hergestellten Medikamente auf dem Markt nimmt stetig \nzu. So waren beispielsweise 1999 in der Schweiz schon 40 Medikamente \nregistriert und im Umlauf, deren Herstellung auf gentechnischem Wege \nerfolgte. Sie wurden gegen die unterschiedlichsten Krankheiten von der \nZuckerkrankheit (Insulin f\u00fcr Diabetiker) \u00fcber Blutarmut, Herzinfarkt, \nWachstumsst\u00f6rungen bei Kindern, verschiedene Krebsarten bis zur \nBluterkrankheit eingesetzt. Weltweit befinden sich \u00fcber 350 \nGentech-Substanzen in klinischen Pr\u00fcfungen mit Patienten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Krebstherapie sind gentechnisch hergestellte Medikamente schon weitgehend etabliert. Durch den Einsatz monoklonaler Antik\u00f6rper,  Interferone und blutbildender Wachstumsfaktoren k\u00f6nnten die  Krebstherapien bei bestimmten Tumorarten optimiert,  Krankenhausaufenthalte verk\u00fcrzt oder gar vermieden sowie Lebensqualit\u00e4t  gewonnen werden, sagt ein Schweizer Krebsexperte. Auch das  Infektionsrisiko sei nachweislich gesunken. Gentechnische Medikamente  sind daher aus der Krebstherapie nicht mehr wegzudenken. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bekannteste Hormon, das mit Hilfe der Gentechnik gewonnen wird  und bereits auf dem Markt ist, ist das Insulin. Das fr\u00fcher produzierte  Insulin stammte von Rindern und Schweinen und war nicht hundertprozentig  baugleich mit dem des Menschen. Mittels Gentechnik konnte es nun  ersetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u201eAlte\u201c Gentechnik <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon bevor es m\u00f6glich wurde, auf molekularer Ebene das Genom eines Organismus zu manipulieren, wurden Keime stark ionisierender Strahlung,  W\u00e4rme oder anderen genver\u00e4ndernden Einfl\u00fcssen (Mutagenen) ausgesetzt, um  Mutationen im Erbgut h\u00e4ufiger als unter nat\u00fcrlichen Bedingungen  hervorzurufen. Die Samen werden ausges\u00e4t und die Pflanzen, die die  gew\u00fcnschten Eigenschaften besitzen, werden weiter gez\u00fcchtet. Ob dabei  auch noch andere, unerw\u00fcnschte, Eigenschaften entstehen, wird bislang  nicht systematisch \u00fcberpr\u00fcft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Technik wurde bei fast allen Nutzpflanzen und, in entsprechenden Verfahren, auch bei einigen Tierarten angewendet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann einmal hatte ein Bauer eine erste Hand voll mit Bohnen. \nDie hat er dann genommen, um sie in den Boden zu pflanzen mit dem Ziel, \ndass daraus neue Bohnenpflanzen wachsen sollten, um ihm ganz viele \nBohnen zu liefern, von denen er sich dann entweder selbst ern\u00e4hren \nkonnte oder die er gegen Eier oder Speck eintauschen konnte. Immer aber \nbehielt er eine Handvoll Bohnen zur\u00fcck, mit denen er dann im n\u00e4chsten \nFr\u00fchjahr erneut Bohnen ernten konnte. So war das von alters her und wohl\n von Anbeginn an &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat sich ge\u00e4ndert. Da gibt es auf dem Weltmarkt inzwischen etwa 4\n ganz gro\u00dfe Hersteller, die dem Bauer sagen, er solle diese Handvoll \nBohnen doch nicht aus der eigenen Ernte nehmen, denn sie h\u00e4tten auch \nBohnen, die viel mehr Ertrag liefern w\u00fcrden und die nicht von bestimmten\n Sch\u00e4dlingen angegriffen werden k\u00f6nnen. Man sagt dem Bauern auch noch, \ndass man diese Bohnen gentechnisch etwas manipuliert habe, damit sie \ndiese positiven Eigenschaften h\u00e4tten. Nun denn &#8230; wo doch alles so \nfortschrittlich ist &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur: Wenn nun der Bauer nun von diesen neuen Bohnen eine Handvoll nimmt, um wieder neue Bohnen zu pflanzen, dann funktioniert das nicht  mehr. Die neuen Bohnen verrotten statt zu keimen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eKein Problem\u201c sagen die Hersteller dieser neuen Saat, wir liefern dir die Bohnen, die du brauchst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was ist hier passiert? Fortschritt? <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, sie haben das Recht meine pers\u00f6nliche&nbsp;Meinung zu kennen, und das in aller K\u00fcrze: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen neuen Bohnen fehlt die F\u00e4higkeit, sich zu reproduzieren. Und \ndas ist eine F\u00e4higkeit von Leben schlechthin. Leben kann sich \nfortpflanzen. Ich denke: Diese neuen Bohnen haben kein Leben mehr. Und \nich bin \u00fcberzeugt, dass wir alle, die diese Bohnen essen, es bald sehr \ndeutlich sp\u00fcren werden, dass die neuen Bohnen keine \u201eLebens\u201c-mittel mehr\n sind. Um ganz deutlich zu sein: ich pers\u00f6nlich brauche keine weiteren \nwissenschaftlichen Beweise um meine klare Haltung zu begr\u00fcnden: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn Leben sich nicht mehr fortpflanzen kann, gibt es kein Leben mehr. Ich aber will Leben. Ohne Kompromisse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kritik an der Gentechnologie <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage nach dem Einsatz der Gentechnologie wird kontrovers diskutiert. Zum einen er\u00f6ffnet die Gentechnologie M\u00f6glichkeiten, die auf  konventionellem Weg nicht &#8211; oder nicht so schnell &#8211; zu erreichen w\u00e4ren.  Beispiele hierf\u00fcr sind die Produktion von Insulin oder Erythropoietin  durch gentechnisch ver\u00e4nderte (Mikro-)Organismen, der Versuch der  Bek\u00e4mpfung von Ern\u00e4hrungsmangelkrankheiten durch den Einsatz von so  genanntem Goldenen Reis sowie die Bek\u00e4mpfung des weltweiten Hungers  durch das Designen besonders resistenter und ertragreicher Arten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite besteht die M\u00f6glichkeit der unumkehrbaren \nAuskreuzung der gentechnisch eingebrachten Eigenschaften (z.B. \nHerbizidresistenzen) in Wildkr\u00e4uter und die M\u00f6glichkeit unerw\u00fcnschter \nNebenwirkungen durch absichtlich oder unabsichtlich mit\u00fcbertragene Gene.\n Daneben sehen Kritiker eine m\u00f6gliche Gefahr f\u00fcr die Arten- und \nSortenvielfalt, da die Patentierung und der exklusive Vertrieb von \nHybridsaatgut sowie gentechnisch manipuliertem Saatgut durch einzelne \nHersteller zur Verdr\u00e4ngung anderer Arten f\u00fchren und Bauern letztlich \nabh\u00e4ngig von Saatgut-Herstellern machen k\u00f6nnte. Gentechnisch ver\u00e4ndertes\n Saatgut stellt dabei eine Versch\u00e4rfung des allgemeinen Problems der \nKommerzialisierung der Saatgutproduktion dar. Im Zusammenhang hiermit \nsteht die oft gleichzeitig vorgebrachte Kritik an der \nPatentgesetzgebung, die sich in den letzten 10 Jahren entscheidend \nge\u00e4ndert hat (vgl. Biopiraterie). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Des Weiteren gibt es gesundheitliche Bef\u00fcrchtungen, da es in einigen \nF\u00e4llen bei Tierversuchen zu Unvertr\u00e4glichkeiten bei der F\u00fctterung mit \neinigen bestimmten gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen kam. Die \nZulassungsverfahren in den L\u00e4ndern der Ersten Welt k\u00f6nnen dieses Risiko \nnicht restlos eliminieren, da bestimmte mutierte Proteine \nerwiesenerma\u00dfen nicht abgebaut werden und damit unter Umst\u00e4nden im \nNahrungskreislauf weitertransportiert werden k\u00f6nnten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Argument, Gentechnik zur Bek\u00e4mpfung des Hungers einzusetzen, wird  entgegnet, dass die Kapazit\u00e4ten zur Nahrungsmittelproduktion schon  jetzt ausreichend seien und Hungerkatastrophen andere Ursachen h\u00e4tten,  darunter Missmanagement vor Ort und Verteilungsungerechtigkeiten im  Welthandel etwa durch Agrar-Exportsubventionen. Der  UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung Jean Ziegler sagt  unter Berufung auf Daten der FAO, dass mit derzeitigen und  konventionellen Mitteln bis zu 12 Milliarden Menschen ausreichend  ern\u00e4hrt werden k\u00f6nnten. Auch Mangelern\u00e4hrung, z.B. in Form von zur  Erblindung f\u00fchrendem Vitamin-A-Mangel, wird auf andere Ursachen wie  durch unzureichende Hygiene verursachte Durchfallerkrankungen  zur\u00fcckgef\u00fchrt. Dadurch fehlt dem K\u00f6rper die Zeit, Betacarotin in Vitamin  A umzuwandeln und dem Stoffwechsel hinzuzuf\u00fcgen. Zudem ist f\u00fcr diesen  Prozess Fett notwendig. Eine gesteigerte Nahrungsproduktion durch den  Einsatz der Gentechnik k\u00f6nne an diesen Problemen nur wenig \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Daneben stehen eine Reihe weiterer Argumente im Raum:<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Freiheit der Forschung:<\/strong> Die M\u00f6glichkeit der gewerblichen \nNutzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen wird durch Patente zum \nEigentum einzelner Firmen. Gleichzeitig stellt die M\u00f6glichkeit zur \nPatentierung und damit zur Vermarktung der unter gro\u00dfem finanziellem \nAufwand erhaltenen wissenschaftlichen Erkenntnisse ein starkes \n\u201eTriebmittel\u201d f\u00fcr die Forschung dar. <\/li><li><strong>Finanzielle Perspektive:<\/strong>\n Gentechnik gilt als eine der Wirtschaftsbranchen der Zukunft. Es stellt\n sich die Frage, inwiefern finanzieller Profit dazu verleiten mag, \nRisiken einzugehen oder diese zu verharmlosen. Um diesem Problem zu \nbegegnen, sind f\u00fcr jede gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanze \nZulassungsverfahren vorgeschrieben, die Risiken und Nebenwirkungen \nausschlie\u00dfen sollen, bevor eine gentechnische Pflanze zur kommerziellen \nNutzung im Freiland eingesetzt werden darf. Ob diese Pr\u00fcfungsverfahren \nausreichend sind, wird von Kritikern, angesichts fehlender \nLangzeitstudien, bezweifelt. Schwellenl\u00e4nder wie China, Indien, \nBrasilien oder auch Argentinien nutzen jedoch in letzter Zeit verst\u00e4rkt \ngentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen, um ihre landwirtschaftliche \nEntwicklung zu beschleunigen. China und Indien tun dies, im Hinblick auf\n die m\u00f6gliche Abh\u00e4ngigkeit von den USA, haupts\u00e4chlich mit \nEigenentwicklungen. <\/li><li><strong>Abh\u00e4ngigkeit landwirtschaftlicher Betriebe:<\/strong>\n Hersteller gentechnisch ver\u00e4nderten Saatgutes sind auch die Hersteller \nvon Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmitteln. Beide sind aufeinander abgestimmt \n(Vgl. z. B. Dokumentarfilm \u201eVon Saatgut und Saatgutmultis\u201c). Diese \nSpezifit\u00e4t erlaubt, gem\u00e4\u00df Herstellerangaben, eine Minimierung der \nNebenwirkung dieser Mittel sowie von deren Einsatz. Verwendet ein Bauer \nderartige Pestizide, kann er in vielen F\u00e4llen nur noch das \u201epassende\u201d \nSaatgut verwenden, da andere Sorten gesch\u00e4digt oder vernichtet werden \nw\u00fcrden (siehe z.B. RoundUp). Zudem verbieten die Vertr\u00e4ge der \nSaatgutkonzerne in der Regel die Wiederaussaat von Teilen der Ernte &#8211; \nBauern m\u00fcssen jedes Jahr aufs Neue Saatgut einkaufen. Dabei verlangt der\n Saatguthersteller Lizenzgeb\u00fchren sowohl f\u00fcr die Saat als auch f\u00fcr die \nErnteprodukte. <\/li><li><strong>Religi\u00f6se\/ethische Aspekte:<\/strong> Einige \nMenschen sehen in der Manipulation des Erbmaterials einen Eingriff in \n\u201eGottes Sch\u00f6pfung\u201c, der den Menschen nicht zustehe. Auch nicht religi\u00f6se\n Menschen sehen zum Teil ethische Probleme. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine sachliche \nDebatte wird erschwert durch die weitverbreitete Unkenntnis \u00fcber die \nM\u00f6glichkeiten und Gefahren der Gentechnologie in der Bev\u00f6lkerung, so \ndass, \u00e4hnlich wie bei der modernen EDV (z.B. zur \u00dcberwachung einzelner \nPersonen), die M\u00f6glichkeiten und Gefahren gleichzeitig unter- und \n\u00fcbersch\u00e4tzt werden. Der Kenntnisstand k\u00f6nnte h\u00f6her sein, wenn die \nGentechnik-Industrie die Ergebnisse der eigenen Risikoforschung \n\u00f6ffentlich zug\u00e4nglich machen w\u00fcrde. Das ist allerdings nicht immer der \nFall; so mussten genkritische Organisationen die Ver\u00f6ffentlichung \nsolcher Forschungsergebnisse im Sommer 2005 gerichtlich erzwingen \n(F\u00fctterungsversuche an Ratten mit gentechnisch manipuliertem Mais). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zur Zeit in den Diskussionen \u00fcber Bioethik wichtiger Aspekt ist,  inwiefern auch andere Eingriffs- und Manipulationsm\u00f6glichkeiten  eingeschr\u00e4nkt oder ausgeweitet werden sollten. Es m\u00fcssen dabei auch die  m\u00f6glichen Vor- und Nachteile ins Auge gefasst werden und nicht allein  die Methoden, mit denen sie bewirkt werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Forschung zu gr\u00fcner Gentechnik<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den bedeutenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der gr\u00fcnen \nGentechnik geh\u00f6rt in Deutschland das Institut f\u00fcr Pflanzengenetik und \nKulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben und das \nMolekularbiologische Zentrum der Bundesforschungsanstalt f\u00fcr Ern\u00e4hrung \nund Lebensmittel in Karlsruhe. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Moderne Pflanzenphysiologie besch\u00e4ftigt sich auch mit den molekularen\n Vorg\u00e4ngen innerhalb der Pflanzen. War es vor 100 Jahren gerade m\u00f6glich,\n die Sauerstoffproduktion von Pflanzen und einige andere globale \nParameter zu untersuchen, so kann man heute mit verschiedenen Techniken \nin das molekulare Geschehen einzelner Zellen hineinsehen. Eine sehr \nwichtige Rolle kommt dabei der Gentechnik zu, da sie es erm\u00f6glicht, das \nVerhalten von Genen in der Pflanze zu beeinflussen. Jede Pflanzenzelle \nenth\u00e4lt zwischen 20.000 und 60.000 Gene, von denen erst bei einem \nBruchteil die Funktion bekannt ist. Selbst bei der bestuntersuchten \nPflanze (Arabidopsis thaliana) ist noch mehr als die H\u00e4lfte der Gene \nohne bekannte Funktion. Um die Funktion zu erkennen, ist es n\u00f6tig, die \nSteuerung des Gens zu modifizieren. So werden Effekte von Genen \nnormalerweise durch einen Vergleich dreier Pflanzenpopulationen \naufgekl\u00e4rt. Die erste unver\u00e4nderte Population wird als Wildtyp \nbezeichnet. Eine Population, die als \u00dcberexpressoren bezeichnet werden, \nproduziert vermehrt das Genprodukt (meist ein Protein). Dies geschieht \nmeist, in dem das Gen hinter einen viralen Promotor kloniert und in die \nPflanze \u00fcbertragen wird. Virale Promotoren sind v auf maximale Effizienz\n optimiert und eignen sich deshalb besonders gut f\u00fcr die Produktion \ngro\u00dfer Mengen RNA. Eine dritte, die sog. \u201eKnock out\u201d-Population, \nproduziert das Genprodukt in geringerem Ma\u00dfe oder gar nicht mehr. \nHierf\u00fcr gibt es verschiedene Techniken, wie z.B. RNAi. Allen Techniken \nist gemeinsam, dass sie doppelstr\u00e4ngige RNA produzieren, die der Pflanze\n den Befehl gibt, dass \u201enormale\u201d (Ribonukleins\u00e4ure) des zu \nuntersuchenden Gens abgebaut wird. Auch komplizierte \nRegulationsmechanismen k\u00f6nnen so aufgekl\u00e4rt werden, wenn man nicht nur \ndas Genprodukt, sondern die gesamten \u00c4nderungen innerhalb der Zelle\/ \nPflanze betrachtet. Diese Methoden erweitern das klassische Durchmustern\n von Mutanten um eine viel gezieltere Technik, mit der es m\u00f6glich ist, \nden Effekt von gefundenen \u201eKandidatengenen\u201d direkt zu untersuchen. \nZus\u00e4tzlich zu den oben genannten Techniken geh\u00f6ren auch deskriptive \nTechniken aus dem Bereich der Gentechnik zur Standardausr\u00fcstung der \nPflanzenforscher. So werden \u00fcber Polymerase Kettenreaktionen (PCR) Gene \nkloniert, es werden H\u00e4ufigkeiten von Transkripten (Bauanleitungen f\u00fcr \nProteine) mittels quantitativer PCR bestimmt, oder mittels sog. \nDNA-Chips gleich die meisten Gene einer Pflanze in ihrer \nAbleseh\u00e4ufigkeit bestimmt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forscher, die praktische Gentechnik betreiben, sind zur Einhaltung \nzahlreicher Sicherheitsvorschriften verpflichtet. Die \nGentechnik-Sicherheitsverordnung regelt in Deutschland die Arbeit mit \ngentechnisch ver\u00e4nderten Organismen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gentechnik befindet sich nicht mehr in einem rechtsfreien Raum. \nDie rechtliche Situation ist seit einigen Jahren in der Diskussion und \ninzwischen mehr oder weniger &#8222;geregelt&#8220;, obwohl weder die Bef\u00fcrworter \nnoch die Gegner mit den bestehenden Regelungen zufrieden sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachfolgend gebe ich einen \u00dcberblick:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kennzeichnungspflicht genetisch ver\u00e4nderter Produkte in der EU <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 18. April 2004 besteht innerhalb der EU eine \nKennzeichnungspflicht f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4nderte Produkte. Sie schlie\u00dft\n ein, dass alle Produkte, die eine genetische Ver\u00e4nderung besitzen, \ngekennzeichnet werden m\u00fcssen, auch dann, wenn die Ver\u00e4nderung im \nEndprodukt nicht mehr nachweisbar ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht sind Fleisch, Eier, \nMilchprodukte und mithilfe genetisch ver\u00e4nderter Bakterien hergestellte \nProduktzus\u00e4tze. Ebenso Enzyme, Zusatzstoffe und Aromen, da sie im \nrechtlichen Sinne nicht als Lebensmittel gelten. Au\u00dferdem muss eine \nKennzeichnung nicht erfolgen, wenn die Verunreinigung mit genetisch \nver\u00e4ndertem Material unter 0,9 Gewichtsprozent liegt und zuf\u00e4llig oder \ntechnisch unvermeidbar ist. Bei Produkten, die aus biologischem Anbau \nkommen, sind gentechnische Ver\u00e4nderungen nicht erlaubt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritiker von gentechnisch ver\u00e4nderten Lebensmitteln geben an, dass  derzeit (Stand: 2005) etwa 80 Prozent der angebauten gentechnisch  ver\u00e4nderten Pflanzen in die Futtermittelindustrie einflie\u00dfen. Sie  fordern deshalb die Kennzeichnungspflicht auch f\u00fcr diese tierischen  Produkte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Moratorium in der Schweiz <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweizer stimmten mit der Abstimmung vom 27. November 2005  mehrheitlich f\u00fcr ein Moratorium zur Nutzung von Gentechnik in der  Landwirtschaft. F\u00fcr vorerst f\u00fcnf Jahre ist damit der Anbau von Pflanzen  oder die Haltung von Tieren verboten, die gentechnisch ver\u00e4ndert wurden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zehn gute Gr\u00fcnde gegen die Gentechnik<\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Bisher ist die genaue Wirkung der  Mechanismen, mit denen bei Pflanzen und Tieren das Erbgut ver\u00e4ndert  wird, unklar. Immer wieder tauchen bei gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen  unerwartete Eigenschaften auf. <\/li><li>Freigesetzte gentechnisch  ver\u00e4nderte Organismen (GVO\u2019s) schaden der Umwelt. Bereits jetzt zeigt  sich, dass der Anbau von GVO\u2019s zu Artenr\u00fcckgang f\u00fchrt und neue  resistente \u201eSuper-Unkr\u00e4uter\u201c entstehen. Von Gen-Pflanzen produzierte  Gifte reichern sich im Boden an.&nbsp; <\/li><li>Forscher haben noch nicht  gekl\u00e4rt, wie sich der Verzehr von GVO langfristig auf die menschliche  Gesundheit auswirkt. Es hat keine Versuche gegeben. Somit werden alle  Konsumenten zu Testpersonen gemacht. <\/li><li>Besonders bedenklich sind  die Antibiotika-Resistenzen, die in viele bisher entwickelte  Gen-Pflanzen eingebaut wurden. Sie k\u00f6nnen auf Bakterien \u00fcbergehen und  resistente Keime hervorbringen. <\/li><li>Sind GVO ausgebracht, lassen sie sich nicht einmal mit extrem gro\u00dfem Aufwand aus der Umwelt entfernen.<\/li><li>Schon  bei einem geringen Ausma\u00df an Genpflanzen-Anbau k\u00f6nnen die Verbraucher  nicht mehr frei w\u00e4hlen, was sie essen. Denn Pollenflug und  Verunreinigungen im Saatgut erschweren einen gentechnikfreien Anbau  gleichartiger Pflanzen ganz erheblich. <\/li><li>Keiner will f\u00fcr die  m\u00f6glichen Sch\u00e4den der gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen aufkommen, nicht  die Industrie, die sie herstellt, nicht der Bauern, der sie anbaut, und  auch keine Versicherung. <\/li><li>Gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen  k\u00f6nnen patentiert werden und bieten den Konzernen g\u00e4nzlich neue  M\u00f6glichkeiten der Marktbeherrschung. Landwirten und Verbrauchern drohen  neue Abh\u00e4ngigkeiten. <\/li><li>F\u00fcr die Hersteller von gentechnikfreien  Lebensmitteln bedeutet der Anbau von GVO\u2019s in der Nachbarschaft  erhebliche Mehrkosten f\u00fcr Analytik und Qualit\u00e4tssicherung. <\/li><li>Die Agro-Gentechnik gef\u00e4hrdet Arbeitspl\u00e4tze, denn sie ist eine  Rationalisierungstechnologie. Der Wettbewerbsdruck auf die  mittelst\u00e4ndischen Saatzuchtunternehmen wird Zusammenschl\u00fcsse und  \u00dcbernahmen beg\u00fcnstigen.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gentechnik ist ein ziemlich umstrittenes&nbsp;Teilgebiet der Biotechnologie. Sie ist ein auf den Kenntnissen der Molekularbiologie aufbauendes Verfahren zur Anwendung gezielter Eingriffe in das Erbgut und\/oder in die biochemischen Steuerungsvorg\u00e4nge von Lebewesen bzw. viraler Genome. Das Thema wird sehr kontrovers diskutiert. Es gibt Bef\u00fcrworter und es gibt eingefleischte Gegner. 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