{"id":4095,"date":"2020-02-20T14:05:18","date_gmt":"2020-02-20T13:05:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=4095"},"modified":"2020-04-06T10:07:04","modified_gmt":"2020-04-06T08:07:04","slug":"das-unabhaengigkeitsproblem-der-europaeischen-behoerde-fuer-lebensmittelsicherheit-efsa","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/fakten-widerreden\/politisches\/das-unabhaengigkeitsproblem-der-europaeischen-behoerde-fuer-lebensmittelsicherheit-efsa\/","title":{"rendered":"Das Unabh\u00e4ngigkeitsproblem der Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine  der wichtigsten und dennoch am wenigsten bekannten Einrichtungen der EU,  die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA, European Food  Safety Authority), hat sich gem\u00e4\u00df ihrem Motto \u201everpflichtet,  sicherzustellen, dass die Lebensmittel in Europa sicher sind\u201c. Jeder,  der in Europa Lebensmittel isst, ist von ihren Entscheidungen betroffen.  Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten \u00fcber ihre engen Verbindungen zur  Industrie setzte die Beh\u00f6rde eine neue Richtlinie um, welche die  Unabh\u00e4ngigkeit ihrer wissenschaftlichen Aussch\u00fcsse sicherstellen soll.  Dennoch bleiben schwerwiegende Interessenkonflikte bestehen. Mehr als  die H\u00e4lfte der 209 Wissenschaftler, die in den Aussch\u00fcssen der Beh\u00f6rde  sitzen, haben direkte oder indirekte Verbindungen zu Industriebranchen,  die sie kontrollieren sollen. Es muss eine viel klarere und striktere  Unabh\u00e4ngigkeitsrichtlinie erstellt und rigoros umgesetzt werden, um den  Ruf und die Integrit\u00e4t der Beh\u00f6rde wiederherzustellen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Seit Jahren gibt es Interessenkonflikte bei der EFSA<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund von Interessenkonflikten all derjenigen, die in ihren  wissenschaftlichen Aussch\u00fcssen sitzen, stand die EFSA in den letzten  Jahren unter dauerhafter Kritik von Seiten des Europ\u00e4ischen Parlaments,  Nichtregierungsorganisationen und der Medien. Diese Sachverst\u00e4ndigen  spielen eine wesentliche Rolle bei Entscheidungen, die f\u00fcr die  Gesundheit und Sicherheit in der Lebensmittel-Versorgungskette eine  wichtige Position einnehmen. Bisher wurde bei einigen festgestellt, dass  sie kommerzielle Verbindungen zu jenen Industriebranchen haben, deren  Gewinne von diesen Produkten abh\u00e4ngen; damit untergraben sie die  Glaubw\u00fcrdigkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse \u00fcber Herausgaben wie  z. B. Nahrungsmittelzus\u00e4tze und genetisch ver\u00e4nderte Organismen (GMO,  genetically manipulated organism). Nachdem anf\u00e4nglich geleugnet wurde,  dass es ein Problem gibt, hat die EFSA \u2013 mit ihren eigenen Worten \u2013  \u201eeine neue, umfangreiche und durchdachte\u201c Richtlinie zum Thema  Unabh\u00e4ngigkeit erstellt. Die Neubesetzung von acht ihrer zehn  wissenschaftlichen Aussch\u00fcsse im Laufe des Fr\u00fchjahrs 2012 war f\u00fcr die  Beh\u00f6rde die Chance, um mit der Umsetzung ihrer neuen Richtlinie zu  beginnen und die Beteiligten auf Interessenkonflikte zu untersuchen \u2013  und Glaubw\u00fcrdigkeit zur\u00fcckzugewinnen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist die Corporate Europe Observatory (CEO)?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Corporate Europe Observatory (CEO) ist eine Forschungs- und  Kampagnengruppe, die daran arbeitet, den priviligierten Zugang und den  Einfluss von Unternehmen und deren Lobbygruppen in Bezug auf die  Gesetzgebung der EU offenzulegen und anzuzweifeln, siehe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/corporateeurope.org\/about-ceo\" target=\"_blank\">https:\/\/corporateeurope.org\/about-ceo<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Untersuchungen durch die CEO<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Corporate Europe Observatory (CEO) eine erhebliche Menge  an Untersuchungen \u00fcber den Einfluss der Industrie auf die Beh\u00f6rde  w\u00e4hrend der vergangenen paar Jahre ver\u00f6ffentlicht hat, hielt man es f\u00fcr  wichtig, diese neue Richtlinie zu bewerten und dabei die Erfahrungen,  die durch fr\u00fchere Untersuchungen gewonnen wurden, mit einer  systematischeren Methode zur Datenanalyse zu kombinieren. Die Arbeit der  EFSA wurde repliziert und es wurde nur jene Information verwendet,  welche die Wissenschaftler selbst gegen\u00fcber der EFSA abgegeben haben \u2013  eine konservative Ann\u00e4herung \u2013 somit wurden sowohl die Interessen aller  Mitglieder der wissenschaftlichen Aussch\u00fcsse \u00fcberpr\u00fcft, als auch die der  Mitglieder des Wissenschaftlichen Komitees. Als Ergebnis ihrer neuen  Unabh\u00e4ngigkeitsrichtlinie hat die EFSA 85 Sachverst\u00e4ndigen verboten, an  ihren Aussch\u00fcssen teilzunehmen; somit gab es Raum f\u00fcr Optimismus, dass  einige der Hauptprobleme gel\u00f6st worden waren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ungl\u00fccklicherweise wird dieser Optimismus durch unsere Analyse nicht best\u00e4tigt. <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse unserer Untersuchung sind entmutigend. W\u00e4hrend wir  immer noch erwartet haben, Interessenkonflikte festzustellen, waren wir  \u00fcberrascht dar\u00fcber, so viele vorzufinden: 122 von 209 Sachverst\u00e4ndigen  (58,37 %) haben mindestens einen Interessenkonflikt mit der Industrie.  Sachverst\u00e4ndige mit Interessenkonflikten beherrschen alle Aussch\u00fcsse bis  auf einen. Alle au\u00dfer zwei Ausschussvorsitzenden und 14 von 21  Vize-Ausschussvorsitzenden haben Interessenkonflikte. Den  \u201eNegativrekord\u201c h\u00e4lt der EFSA Ausschuss f\u00fcr Di\u00e4tetische Produkte,  Ern\u00e4hrung und Allergien (Dietetic Products, Nutrition and Allergies,  NDA): 17 von 20 Mitglieder haben insgesamt 113 Interessenkonflikte  untereinander. In allen Aussch\u00fcssen haben 10 Sachverst\u00e4ndige jeweils  mehr als 10 Interessenkonflikte. Ein Mitglied des Ausschusses f\u00fcr  Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Stoffe in der Tierern\u00e4hrung (FEEDAP) hat  allein 24 Interessenkonflikte. Unter den 849 untersuchten Interessen  z\u00e4hlte die CEO insgesamt 460 Interessenkonflikte. Dar\u00fcber hinaus gibt es  keinen sichtbaren Unterschied was den Anteil der Interessenkonflikte in  den acht erneuerten Aussch\u00fcssen betrifft, im Vergleich zu den zwei  Aussch\u00fcssen, die noch erneuert werden m\u00fcssen; dies wirft weitere Fragen  \u00fcber die Wirksamkeit der neuen Richtlinien auf.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Warum derart schreckliche Ergebnisse? Selbstgef\u00e4lligkeit bei der EFSA? \u00dcberm\u00e4\u00dfige Strenge unsererseits?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch einmal: Unsere Methodik f\u00fcr diese Untersuchung war sehr konservativer Art: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir suchten nicht nach nicht kommunizierten Interessen seitens der \nSachverst\u00e4ndigen und wir f\u00fcgten keine unber\u00fccksichtigten Interessen \nhinzu, die wir im Laufe der Untersuchung festgestellt haben. \nGl\u00fccklicherweise scheint der Mangel an politischem Willen bei der EFSA \nweniger ein Thema zu sein als in der Vergangenheit. Die Beh\u00f6rde scheint \nnun ernsthaft dar\u00fcber besorgt zu sein und reserviert betr\u00e4chtliche \nRessourcen f\u00fcr dieses Problem. Und tats\u00e4chlich, sobald die EFSA \u00fcber das\n Vorhaben der CEO informiert wurde, die neue Richtlinie der EFSA genau \nzu pr\u00fcfen, wurden wir im Juni 2013 eingeladen, nach Parma, Italien, zu \nkommen, an den Hauptsitz der Beh\u00f6rde. Dank dieser beispiellosen Geste \nhatten wir die Gelegenheit, w\u00e4hrend des intensiven eint\u00e4gigen Meetings \nmit mehreren hochrangigen Offiziellen von der Beh\u00f6rde zu sprechen und \ndie Handhabung von Interessenkonflikten durch die Beh\u00f6rde ausgiebig zu \ndiskutieren. Engagement und Entgegenkommen waren deutlich zu erkennen; \njedoch war diese Aufgabe f\u00fcr uns auch dahingehend aufschlussreich, dass \nwir in Erfahrung gebracht haben, was es f\u00fcr die Beh\u00f6rde noch zu tun \ngibt: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EFSA Richtlinie \u00fcber Unabh\u00e4ngigkeit hat viele Schwachstellen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Eine erste Schwachstelle betrifft die Natur der Regeln selbst, da sie nicht ausreichend strikt sind. <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine andere wichtige Schwachstelle ist, dass man sich bei den  Sachverst\u00e4ndigen darauf verlassen muss, dass sie ihre eigenen Interessen  kundtun. Aber es gibt auch einen kulturellen Aspekt \u2013 in seiner Art  unterschiedlich zu dem Problem der Richtlinienumsetzung \u2013 den wir  ebenfalls untersuchen werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die erste Schwachstelle<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EFSA Regeln hinsichtlich Unabh\u00e4ngigkeit sind dahingehend  unzureichend, dass sie zu begrenzt sind. Das Hauptkriterium, das die  Beh\u00f6rde einsetzt, um das vom Sachverst\u00e4ndigen erkl\u00e4rte Interesse zu  bewerten, besteht darin, zu ber\u00fccksichtigen, ob es in das Themenmandat  des f\u00fcr ihn zust\u00e4ndigen Ausschusses f\u00e4llt. Mit anderen Worten kann jeder  Sachverst\u00e4ndige, der Verbindungen zur Industrie hat, immer noch  akzeptiert werden, solange die Interessen nicht mit dem Themengebiet des  Ausschusses im Zusammenhang stehen. Dies ist unserer Ansicht nach das  gr\u00f6\u00dfte Schlupfloch in Bezug auf die Regeln und wahrscheinlich der  Hauptfaktor f\u00fcr die Erkl\u00e4rung unserer Ergebnisse. Wir ber\u00fccksichtigten,  dass das betreffende Kriterium nicht das Mandat des Ausschusses war,  sondern der Aufgabenbereich der EFSA selbst. Dar\u00fcber hinaus macht es  diese thematische Spezialisierung erforderlich, dass die  Interessenerkl\u00e4rungen individuell zu bewerten sind \u2013 mit einem  erheblichen Zeit- und Energieaufwand \u2013 und zwar von allen  Bereichsleitern der Beh\u00f6rde. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In Folge dessen werden einige problematische Interessen nicht als solche betrachtet. <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein paar laufende Kollaborationen mit  dem Industrie-Think-tank International Life Sciences Institute (ILSI)  werden immer noch toleriert, obwohl diese spezielle Organisation bei  fr\u00fcheren Kontroversen mit der EFSA eine zentrale Rolle gespielt hat.  Dar\u00fcber hinaus gibt es keine Friedensfrist: Neuerliche Aktivit\u00e4ten mit  der Industrie angegliederten Einrichtungen werden von der Beh\u00f6rde  insofern nicht als Problem angesehen, als sie begrenzt sind, was  bedeutet, dass die Wissenschaftler von diesen Einrichtungen direkt zu  einer Beh\u00f6rde gehen und dort in einem Ausschuss sitzen k\u00f6nnen. Als  Ergebnis hiervon sind mehr als 30 Sachverst\u00e4ndige mit einer ILSI  Vorgeschichte \u2013 selbst in j\u00fcngster Vergangenheit \u2013 immer noch Mitglieder  in den wissenschaftlichen Aussch\u00fcssen der EFSA.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die zweite Schwachstelle<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die EFSA als eine Institution ihre Unabh\u00e4ngigkeit dadurch \nsch\u00fctzen sollte, indem sie proaktiv Verantwortung f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung \nvon Interessenkonflikten \u00fcbernimmt, verl\u00e4sst sie sich stattdessen auf \ndie eigene Selbstbewertung der Sachverst\u00e4ndigen. Die von den \nWissenschaftlern in ihren Interessenerkl\u00e4rungen oder CVs selbst \nniedergeschriebene Information ist die einzige von der EFSA genutzte \nQuelle. Ihre Richtigkeit wird f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich erachtet und es \nwird nicht einmal eine grundlegende \u00dcberpr\u00fcfung der \u00f6ffentlich \nverf\u00fcgbaren Informationen durchgef\u00fchrt, zum Beispiel im Internet \u2013 fast \nein Anreiz f\u00fcr Missbrauch. Das gesamte System wird fehlerhaft bleiben, \nsolange man sich lediglich auf die Selbstbewertung der Sachverst\u00e4ndigen \nverl\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele F\u00e4lle von Interessenkonflikten bleiben durch das derzeitige  System der EFSA unentdeckt, weil die Regeln zweifellos unzureichend  sind. Was noch schlimmer ist: Es gibt Probleme mit der Umsetzung der  ohnehin bereits nachsichtigen bestehenden Regeln der EFSA \u2013 einige  Interessenkonflikte h\u00e4tten gem\u00e4\u00df der eigenen Regeln der EFSA aufgedeckt  werden sollen, aber dies ist nicht geschehen. H\u00e4tte die EFSA ihre neue  Richtlinie entsprechend dem Regelwerk sorgf\u00e4ltig angewendet, so glauben  wir, w\u00e4ren sieben Vorsitzende und drei Vize-Vorsitzende des  wissenschaftlichen Ausschusses nicht ernannt worden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Unzureichendes Verstehen \u00fcber Interessenkonflikte<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein unzureichendes Verstehen dar\u00fcber, was Interessenkonflikte in der  Praxis mit sich bringen, untergraben schlie\u00dflich und entscheidend den  von den EFSA Mitarbeitern durchgef\u00fchrten Untersuchungsprozess. In der  Vorstellung der EFSA \u00fcber Interessenkonflikte dreht sich alles um ein  dramatisches Bild aus Korruption und Infiltrierung durch  Industrie-\u201eMaulw\u00fcrfe\u201c mit \u00fcblen Absichten. Auch wenn dies nicht  ausgeschlossen werden kann, ist die Realit\u00e4t normalerweise viel  subtiler. Der Einfluss der Industrie wird durch langfristige und  strukturierte Bindungsprozesse ausge\u00fcbt \u2013 die innerhalb der  wissenschaftlichen Gemeinde selbst durch Kultur, kollektive Dynamik,  anerkannte Paradigmen und Gruppendenken entstehen \u2013 wo es f\u00fcr die  \u201eDenk-Industrie\u201c ein nat\u00fcrlicher Vorgang wird \u2013 eher als durch  irgendeine Art von Manipulation nur beim einzelnen Wissenschaftler. Wir  erinnern die Leser in diesem Bericht daran, dass heutzutage die  Wissenschaft an sich ein offenes Schlachtfeld f\u00fcr gemeinsame Interessen  ist. Dies sollte beim Erstellen und Umsetzen von Regeln, die  Interessenkonflikte regulieren, der Anlass f\u00fcr zus\u00e4tzliche Wachsamkeit  und Gewissenhaftigkeit sein. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die EFSA scheint ob dieser Realit\u00e4t jedoch unbek\u00fcmmert zu sein. <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Grundlage unserer Forschung, unseren zahlreichen Diskussionen  und unserem bisherigen Fachwissen auf diesem Gebiet gelangten wir zu  einer Serie von Empfehlungen, die auch als ein eher allgemeiner Beitrag  zu der Initiative der EU betrachtet werden k\u00f6nnen, sich in den Beh\u00f6rden  auf eine gr\u00fcndlichere und sachkundigere Art und Weise mit  Interessenkonflikten zu befassen. Auf kurze Sicht gesehen k\u00f6nnte die  EFSA ihre Regeln nachr\u00fcsten, indem kommerzielle Interessen g\u00e4nzlich  verboten und das Untersuchungssystem verbessert werden. Mittelfristig  gesehen k\u00f6nnte die EFSA die Untersuchung von Interessenerkl\u00e4rungen von  den Bereichsleitern auf spezialisiertes Personal auslagern, zum Beispiel  Richter vom Europ\u00e4ischen Rechnungshof. Auf lange Sicht gesehen k\u00f6nnte  man Expertise durch Insourcing wieder eingliedern, um ihnen alle  verf\u00fcgbaren Mittel zukommen zu lassen, damit sie ihre Arbeit  ordnungsgem\u00e4\u00df ausf\u00fchren k\u00f6nnen und von den Bereichen unabh\u00e4ngig sind,  die sie regulieren. Eine weitere Empfehlung auf l\u00e4ngere Sicht w\u00fcrde  darin bestehen, die Studien \u00fcber regulierte Produkte, die von  unabh\u00e4ngigen\/\u00f6ffentlichen Laboratorien auf der Grundlage von sehr  strengen Regeln einschlie\u00dflich Blindstudien (diese k\u00f6nnten immer noch  von der Industrie bezahlt werden) durchgef\u00fchrt werden, zur Verf\u00fcgung zu  haben. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Es ist wichtig, dies in einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang zu beachten. <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend unsere Empfehlungen f\u00fcr eine bessere Umsetzung der Regeln die  Qualit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit der Sachverst\u00e4ndigenaussch\u00fcsse der EFSA  verbessern k\u00f6nnten, gibt es au\u00dferdem einige gr\u00f6\u00dfere strukturelle  Aspekte, die \u00fcber den Umfang dieses Berichts hinausgehen, um sie  ordnungsgem\u00e4\u00df anzugehen. Es ist wesentlich zu wissen, dass die EFSA  Sachverst\u00e4ndigen zum einen nicht bezahlt werden (nur Unkosten). Zum  anderen gibt es einen strukturellen Interessenkonflikt, der in das  System eingebaut ist, da die Sachverst\u00e4ndigen nur Studien bewerten, die  von den Herstellern der Produkte durchgef\u00fchrt wurden, um die es geht  (sie selbst f\u00fchren keine Forschung durch). Wenn man dies nun mit einer  hohen Arbeitslast kombiniert, kann man erkennen, dass es eine  entmutigende Aufgabe ist, diese Arbeit ordnungsgem\u00e4\u00df auszuf\u00fchren.  Dar\u00fcber hinaus werden Teile dieser Studien aufgrund von  Gesch\u00e4ftsgeheimnissen gew\u00f6hnlich geheim gehalten, womit ihre Integration  in die normale Arbeit der wissenschaftlichen Gemeinde verhindert wird.  Als Ergebnis ist die Arbeit in einem EFSA Ausschuss anscheinend weder  nutzbringend noch attraktiv f\u00fcr eine wissenschaftliche Karriere, so dass  es schwieriger wird, junge und unabh\u00e4ngige Sachverst\u00e4ndige zu finden,  die selbstlos f\u00fcr die Allgemeinheit arbeiten. Es ist nicht akzeptabel,  dass solch eine wesentliche T\u00e4tigkeit f\u00fcr das Gesundheitswesen sich als  so wenig eintr\u00e4glich erweist. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Disclaimer<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Bericht zielt darauf ab, die neue Unabh\u00e4ngigkeitsrichtlinie  der EFSA zu \u00fcberpr\u00fcfen und im Besonderen ihr Umgang mit  Interessenkonflikten unter ihren wissenschaftlichen  Ausschussmitgliedern. Es ist daher wichtig zu betonen, was hier  begutachtet wird, n\u00e4mlich: Der Entscheidungsprozess der EFSA, ob ein  bestimmter Sachverst\u00e4ndiger f\u00fcr Aufgaben im \u00f6ffentlichen Interesse in  ihren Aussch\u00fcssen akzeptiert oder abgelehnt wird. Wenn ein  Interessenkonflikt mit der Industrie besteht, bedeutet dies nicht, dass  ein Sachverst\u00e4ndiger f\u00fcr seine\/ihre Ethik oder intellektuelle  Ehrlichkeit kritisiert wird, aber er\/sie kann nicht als unabh\u00e4ngig von  den Einfluss der Industrie betrachtet werden. Daher sind wir der  Auffassung, dass der Sachverst\u00e4ndige nicht in der Lage ist, an der  Arbeit einer Beh\u00f6rde teilzunehmen, dessen Arbeitslast vorrangig darin  besteht, die Sicherheit von Industrieprodukten zu bewerten, die auf dem  EU Markt vermarktet werden sollen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der wichtigsten und dennoch am wenigsten bekannten Einrichtungen der EU, die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA, European Food Safety Authority), hat sich gem\u00e4\u00df ihrem Motto \u201everpflichtet, sicherzustellen, dass die Lebensmittel in Europa sicher sind\u201c. 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