{"id":4057,"date":"2020-02-20T11:42:45","date_gmt":"2020-02-20T10:42:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=4057"},"modified":"2020-04-06T10:09:48","modified_gmt":"2020-04-06T08:09:48","slug":"gentechnik-gegen-hunger-eine-widerrede-gegen-diese-behauptung","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/fakten-widerreden\/politisches\/gentechnik-gegen-hunger-eine-widerrede-gegen-diese-behauptung\/","title":{"rendered":"Gentechnik gegen Hunger? Eine Widerrede gegen diese Behauptung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Multis wittern Chancen f\u00fcr neue Absatzm\u00e4rkte in der Dritten Welt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von Caroline Morel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit ihrem angeblichen Kampf gegen Hunger rechtfertigen Agrokonzerne  wie Monsanto oder Syngenta den Einsatz von gentechnisch ver\u00e4ndertem  Saatgut in der Dritten Welt. Dieses Argument schieben sie in der Debatte  um die Gentechfrei-Initiative immer wieder vor. Die Gentech-Industrie,  die sich philantropisch des Hungerproblems annimmt? Weit gefehlt. Der  Gentech-Industrie geht es vielmehr um neue Absatzm\u00e4rkte. Wenn sich die  Gentechnik in der Landwirtschaft durchsetzt, werden k\u00fcnftig noch mehr  Menschen hungern. Im Land von Syngenta, wie auch im \u00fcbrigen Europa,  wollen die wenigsten Bauern und Konsumentinnen etwas von Gentech-Food  wissen. Es bilden sich sogar zahlreiche gentechfreie Zonen wie das  Tessin, die Toscana oder Ober\u00f6sterreich. Die Multis wittern Chancen f\u00fcr  neue Absatzm\u00e4rkte in der Dritten Welt, etwa in Indien, Guinea-Bissau und  Tansania.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gentech f\u00fcr die &#8222;Dritte Welt&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beispiel gef\u00e4llig? Vor rund zwei Jahren bewilligte die indische \nRegierung den Anbau von gentechnisch ver\u00e4nderter Bt-Baumwolle. \nMittlerweile wird diese Monsanto-Pflanze in Indien auf \u00fcber 1,25 \nMillionen Hektaren angebaut &#8211; und die Erfahrungen der Produzenten lassen\n Schlimmes bef\u00fcrchten. Die Versprechen der Hersteller, die \nBauernfamilien k\u00f6nnten dank dem teuren und patentierten Saatgut eine \ngr\u00f6\u00dfere Ernte einfahren, haben sich laut unabh\u00e4ngigen Studien nicht \nbewahrheitet. Im Gegenteil &#8211; manchen Bauern droht der Ruin.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das patentierte Gentech-Saatgut m\u00fcssen die Landwirte f\u00fcr jede Aussaat\n neu kaufen, was sie von Saatgutfirmen aus den Industrienationen \nabh\u00e4ngig macht &#8211; eine neue Art Kolonialisierung zeichnet sich ab. In der\n Dritten Welt dient h\u00e4ufig ein Teil der Ernte als Saatgut f\u00fcrs n\u00e4chste \nJahr. Kommt hinzu: Entgegen den Behauptungen der Bef\u00fcrworter nimmt der \nChemie-Einsatz nur zu Beginn ab. Mittel- und langfristig steigt er auf \nGentech-Feldern an, wie Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums \nbelegen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die chemischen Produkte k\u00f6nnen sich die Menschen in der Dritten Welt  nur in Ausnahmef\u00e4llen leisten. Denn in den Entwicklungsl\u00e4ndern leben  nach wie vor bis zu 80 Prozent der Menschen als Kleinstproduzenten von  weniger als einem Hektar Land. Die Gentech-Landwirtschaft ist auf die  industrielle Bewirtschaftung gro\u00dfer Monokulturen ausgerichtet. Ziel und  Zweck ist es, Arbeitskraft und Zeit zu sparen. Doch gerade dar\u00fcber  verf\u00fcgen die Bauern in der Dritten Welt reichlich. Wie rasch die  Gentech-Landwirtschaft die Kleinb\u00e4uerinnen und Kleinbauern verdr\u00e4ngt,  l\u00e4sst sich am Beispiel Argentinien ablesen: Der Anbau von transgener  Soja beschleunigte den landwirtschaftlichen Konzentrationsprozess  massiv, Zehntausende Kleinbetriebe gingen ein. Die Bauern wanderten ab  und blieben auf der Suche nach Arbeit in den Slums der Vorst\u00e4dte h\u00e4ngen.  Ein Auskommen fanden sie dort nicht. Die Bauernfamilien erwarteten  Mangelern\u00e4hrung, Langeweile und fehlende Perspektiven.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Alternativen zur Gentech-Landwirtschaft existieren wohl. Angepasste \n\u00f6kologische Landwirtschaft hei\u00dft das Stichwort. Diese ist g\u00fcnstig und \nauch in der Dritten Welt gang und g\u00e4be.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nebeneinander von konventioneller Landwirtschaft und Gentech-  Feldern ist auf Dauer \u00abkaum realisierbar\u00bb. Zu diesem Schluss kommt das  Forschungsinstitut f\u00fcr biologischen Landbau (FiBL) in Frick. Die  Umsetzung von Freisetzungsvorschriften &#8211; sofern vorhanden &#8211; ist sehr  teuer, und zudem auch noch nutzlos: In Westkanada w\u00e4chst kein  biologischer Raps mehr. Wenn nicht mal Kanada in der Lage ist, das  urspr\u00fcngliche Saatgut gentechfrei zu erhalten &#8211; wie soll das ein Bauer  in einem Entwicklungsland schaffen, der \u00fcber weit weniger Ressourcen  verf\u00fcgt? Kein Wunder, lehnen viele Entwicklungsl\u00e4nder die Gentechnologie  in der Landwirtschaft ab. Sie wollen keine gentechnisch ver\u00e4nderten  Organismen, sei es als Nahrungsmittelhilfe oder als Saatgut.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Niemand will Gentechnik<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Benin hat 2002 ein f\u00fcnfj\u00e4hriges Moratorium beschlossen, Sambia, Sudan  oder Angola haben gentechnisch ver\u00e4nderten Mais als Nahrungsmittelhilfe  abgelehnt oder verlangt, dass der Mais gemahlen eingef\u00fchrt wird. Sie  wollten so eine Kontaminierung der einheimischen Maissorten verhindern,  denn der zum Essen bestimmte Mais wird h\u00e4ufig als Saatgut verwendet.  Ihre Bef\u00fcrchtung ist begr\u00fcndet. In Mexiko sind verschiedene Ursorten von  Mais bereits kontaminiert, weil US-Importmais anges\u00e4t wurde. Die  Kommission des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta hat deshalb  Mexiko empfohlen, den Maisimport aus den USA drastisch zu reduzieren  und \u00e4u\u00dferst vorsichtig mit der Freisetzung von gentechnisch ver\u00e4ndertem  Saatgut umzugehen. F\u00fcr gentechkritische Entwicklungsl\u00e4nder sind  unterst\u00fctzende Zeichen aus Europa sehr wichtig &#8211; auch aus der Schweiz,  wo mit Syngenta der gr\u00f6\u00dfte Agrochemie-Konzern der Welt seinen Hauptsitz  hat. Sagt die hiesige Bev\u00f6lkerung Nein zu Gentechnik in der  Landwirtschaft, hat das Signalwirkung, wie das Beispiel Malaysia zeigt:  Dort wurde das Syngenta-Herbizid Paraquat 2002 vor allem darum verboten,  weil es in der Schweiz mit einem Verbot belegt ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mit Gentechnik wird Hunger ges\u00e4t!<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bleibt die Frage: L\u00e4sst sich mit Gentechnologie in der Landwirtschaft\n der Hunger bek\u00e4mpfen? Wagen wir einen Blick auf die \nGentech-Produktepalette der Dritten Welt: Angebaut werden vor allem \nBaumwolle, Soja und Mais &#8211; f\u00fcr den Export, zur Tierfutterproduktion in \nden Industriel\u00e4ndern.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Land fehlt f\u00fcr den Anbau von Nahrungsmitteln f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung.\n Mit Gentechnologie wird in der Tat Hunger ges\u00e4t. Ein Nebeneinander von \nkonventioneller Landwirtschaft und Gentech-Feldern ist laut dem FiBL in \nFrick \u00abkaum realisierbar\u00bb\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mittelland Zeitung Gesamtausgabe, 18.06.2005<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber die Autorin<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Caroline Morel ist 36 Jahre alt und seit 2002 Gesch\u00e4ftsleiterin von \nSwissaid. Die Ethnologin hat in Nicaragua gearbeitet, wo G90-Saatgut \nzugelassen werden soll. Swissaid ist Mitglied des Pro-Komitees der \nGentechfrei-Initiative, die diese Woche vom Nationalrat der Schweiz \nabgelehnt worden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Multis wittern Chancen f\u00fcr neue Absatzm\u00e4rkte in der Dritten Welt Von Caroline Morel Mit ihrem angeblichen Kampf gegen Hunger rechtfertigen Agrokonzerne wie Monsanto oder Syngenta den Einsatz von gentechnisch ver\u00e4ndertem Saatgut in der Dritten Welt. Dieses Argument schieben sie in der Debatte um die Gentechfrei-Initiative immer wieder vor. Die Gentech-Industrie, die sich philantropisch des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"parent":4053,"menu_order":12,"template":"","class_list":["post-4057","vitalstoff_journal","type-vitalstoff_journal","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gentechnik gegen Hunger? 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