{"id":3972,"date":"2020-02-19T11:40:29","date_gmt":"2020-02-19T10:40:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=3972"},"modified":"2020-04-06T10:33:42","modified_gmt":"2020-04-06T08:33:42","slug":"wenn-medizin-und-pflege-den-kranken-kraenker-macht","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/fakten-widerreden\/medizinbetrieb\/wenn-medizin-und-pflege-den-kranken-kraenker-macht\/","title":{"rendered":"Wenn Medizin und Pflege den Kranken kr\u00e4nker macht!"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr als 60 Prozent der Bewohner in Altenheimen sind dement<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Gesundheitssystem wird zunehmend belastet durch den Anstieg \ndementer alter Menschen, die in ihren letzten Lebensjahren vollkommen \nabh\u00e4ngig von Pflege sind &#8211; und rund um die Uhr betreut werden m\u00fcssen. \nLag der Anteil dementer Bewohner vor 20 Jahren noch bei durchschnittlich\n 30 Prozent, sind Altenpflegeeinrichtungen heute zu mehr als 60 Prozent \nmit Bewohnern konfrontiert, die jede Orientierung verloren haben (die \nZahlen stammen aus dem Jahr 2004). Da insbesondere Demenzkranke \nbesondere Anforderungen stellen, bedarf es entsprechender Strukturen und\n Konzepte im Umgang mit diesen Kranken, wie sie leider noch nur selten \nrealisiert werden.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberwiegend trifft man auf geriatrischen Abteilungen und in \nPflegeheimen Organisationsformen und Haltungen an, wie man sie aus den \nKrankenh\u00e4usern kennt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>demente Patienten oder Bewohner m\u00fcssen sich dort, wie jeder andere, den organisatorischen Gegebenheiten unterordnen<\/li><li>sie m\u00fcssen warten, bis sie an der Reihe sind<\/li><li>sie m\u00fcssen abends um sieben bereits ins Bett<\/li><li>sie d\u00fcrfen nicht aufstehen, wann sie wollen<\/li><li>sie m\u00fcssen fixiert werden, weil man sie nicht gen\u00fcgend beaufsichtigen kann u.v.a.m.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ein Demenzkranker im fortgeschrittenen Stadium nur noch gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig reagiert, <em>in\n dem er sich z.B. mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen wehrt, wenn man ihm etwa \nAugentropfen eintr\u00e4ufeln will oder die Pflegerin anspuckt, um ihr zu \nsagen, dass er von ihr nicht angefasst werden will, <\/em>spielen sich hier nicht selten auch Machtk\u00e4mpfe ab, aus denen der Kranke regelm\u00e4\u00dfig als Unterlegener hervorgeht.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte wissen sich oft keinen anderen Rat, als diese  Kranken mit Hilfe bestimmter Medikamente lenkbar und f\u00fcr die Einrichtung  tragbar zu machen. Doch da diese Medikamente schwerwiegende  Nebenwirkungen haben, entwickeln sich nicht selten auf diesem  Hintergrund Zustandsbilder, die man weder aus menschlich-ethischer und  schon gar nicht aus christlicher Sicht hinnehmen d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Leidensweg von Frau B.<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"178\" src=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-01_2b0805fba0.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3973\" srcset=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-01_2b0805fba0.jpg 225w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-01_2b0805fba0-150x119.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie\n sehen hier das im Jahre 2003 aufgenommene Bild einer 90 j\u00e4hrigen \nPflegeheimbewohnerin, die seit 2001 k\u00fcnstlich ern\u00e4hrt wird, der im \nSommer 2002 beide Beine amputiert wurden und die bis zu ihrem Tode, am \n4. August 2004 in diesem Zustand &#8211; nahezu reglos, v\u00f6llig sprachlos und \norientierungslos dagelegen hat &#8211; mit stets offenem Mund und in den \nWachphasen mit offenen Augen, die meist ins Leere blickten. Auf \nAnsprache reagierte sie zu diesem Zeitpunkt meistens noch. Vor allem \nwenn ihr Sohn ans Bett trat, sie ber\u00fchrte und mit ihr sprach, suchte sie\n ganz gezielt nach seiner Hand und \u00f6ffnete die Augen. Intuitiv erkannte \nsie wohl in ihm den Menschen, der ihr im Leben am meisten bedeutet \nhatte.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige von Ihnen, die berufsm\u00e4\u00dfig in Pflegeeinrichtungen zu tun haben, werden vermutlich jetzt denken: <em>&#8222;Was soll das? Solche Kranke findet man doch \u00fcberall.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass schwerkranke, alte Menschen so daliegen, k\u00fcnstlich ern\u00e4hrt \nwerden und kaum noch Regungen zeigen, ist ein St\u00fcck Pflegealltag. Man \nnimmt dies als gegeben hin. \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte erkl\u00e4ren sich und \nanderen diese F\u00e4lle, in dem man auf vorliegende Erkrankungen bzw. \nmedizinische Diagnosen verweist, mit allen Komplikationen, die sich \neingestellt und summa summarum zu diesem bedauernswerten Zustand gef\u00fchrt\n haben.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Angeh\u00f6rige, wie jeder Laie auf diesem Gebiet, k\u00f6nnen dem im \nGrunde nichts entgegen setzen. Denn allgemein geht man davon aus, dass \n\u00c4rzte und Pflegende im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten und der finanziellen \nMittel, das Beste getan haben.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaut man jedoch n\u00e4her hin, wie ich es nachfolgend demonstrieren \nm\u00f6chte, wird ein direkter Zusammenhang zwischen der \nKrankheitsentwicklung und den bereits erw\u00e4hnten Strukturen sichtbar. Es \nwird ein Zusammenhang mit den Medikamenten sichtbar, die eingesetzt \nwurden, weil die Zeit f\u00fcr die notwendige F\u00fcrsorge und Zuwendung fehlte.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Falle hat der Sohn und gleichzeitig auch der Betreuer der  Kranken den Hergang genau verfolgt, alle Vorkommnisse notiert, Dokumente  gesammelt, sowie durch zahlreiche Schreiben an alle m\u00f6glichen Instanzen  und f\u00fchrenden Personen im Gesundheitswesen auf die von ihm  wahrgenommenen &#8222;Missst\u00e4nde&#8220; aufmerksam zu machen versucht. <em>&#8222;Wenn ich  schon meiner Mutter diesen grausamen Leidensweg nicht ersparen konnte,  so will ich wenigstens dazu beitragen, dass anderen das erspart  bleibt.&#8220;,<\/em> so sein Anliegen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was ist also bei Frau B. passiert?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa 1990 zeigten sich bei der damals 77 j\u00e4hrigen Frau B. die ersten \nAnzeichen einer Demenz, die bis 1992 noch einigerma\u00dfen kompensiert \nwerden konnten. Als sie im M\u00e4rz 1995 ins Pflegeheim kam, war sie bereits\n v\u00f6llig desorientiert. Ihr 4 Jahre \u00e4lterer Ehemann, der herzkrank war \nund sie bis dahin, mit Unterst\u00fctzung von Sohn und Schwiegertochter, zu \nHause betreut hatte, war zu diesem Zeitpunkt an der Grenze seiner \nBelastbarkeit angelangt und musste selbst f\u00fcr mehrere Wochen ins \nKrankenhaus.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Betreuung war nicht zuletzt deshalb sehr anstrengend, weil Frau \nB. einen starken Bewegungsdrang hatte: Sie konnte nicht lange ruhig \nsitzen, suchte st\u00e4ndig irgendetwas, war auch nachts h\u00e4ufig auf, fand \nsich im Haushalt nicht zurecht, konnte sich nicht mehr alleine anziehen,\n brauchte Hilfe bei der K\u00f6rperpflege und musste regelm\u00e4\u00dfig zur Toilette \ngef\u00fchrt werden, weil sie bewusst nicht mehr wahrnehmen konnte, wann es \nZeit war zur Toilette zu gehen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man konnte sie kaum unbeaufsichtigt lassen. Einmal sei sie, w\u00e4hrend \nihr Mann an der Theke eines Tagescaf\u00e9s bezahlte, pl\u00f6tzlich verschwunden \ngewesen. Erst gegen Mitternacht wurde sie von einem der Familie \nbekannten Urologen kilometerweit entfernt auf freier Flur (in einem \nFeld) entdeckt. Bei der K\u00e4lte h\u00e4tte sie die Nacht vermutlich nicht \n\u00fcberlebt.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ansonsten sei sie jedoch gut zu lenken gewesen, ihr freundliches, \nliebenswertes Naturell habe sie behalten. Dies habe \u00fcber vieles \nhinweggeholfen. Nie habe man bei ihr aggressives Verhalten festgestellt,\n vielmehr habe sie sich bem\u00fcht, es jedem Recht zu machen. Wenn Sie sich \nzur Wehr gesetzt hat, so aus Angst.<br><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Am 24. M\u00e4rz 1995 fand der Umzug ins Heim statt.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Heim stellte diese liebenswerte, hochgradig verwirrte und  viel zu mobile Frau ein nicht minder gro\u00dfes Problem dar. Hineingestellt  in eine fremde Umgebung, suchte sie jede Gelegenheit vor den fremden  Menschen zu fliehen: d.h. wegzulaufen bez. hinzulaufen zu vertrauten  Menschen und Orten. Das ist \u00fcbrigens eine h\u00e4ufig zu beobachtende  Reaktion, die aus meiner Sicht durchaus verst\u00e4ndlich ist, aber eben  nicht in den Alltag eines Seniorenheims passt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst\n versuchte man die Situation mittels Haldol\u00ae in den Griff zu bekommen, \neinem seit Jahrzehnten gebr\u00e4uchlichen Mittel, aus der Gruppe der \nNeuroleptika. Von M\u00e4rz bis Oktober 95 wurde Haldol t\u00e4glich abends und \nbei Bedarf in unterschiedlicher Dosis verabreicht. Die innere Unruhe und\n Weglauftendenz verschwanden jedoch nicht, lediglich wirkte Frau B \ninsgesamt m\u00fcder und weniger vital. W\u00e4hrend sie vorher gro\u00dfe Ausdauer \nzeigte, kam es nun h\u00e4ufig vor, dass sie an jeder Bank rasten wollte und \nmeistens dabei einschlief.\n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"118\" height=\"247\" src=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Haloperidol.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3974\" srcset=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Haloperidol.jpg 118w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Haloperidol-72x150.jpg 72w\" sizes=\"auto, (max-width: 118px) 100vw, 118px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Infolge der Medikation schlief Frau B nun tags\u00fcber h\u00e4ufiger ein, \nw\u00e4hrend sie nachts weiterhin unruhig war und durch lautes Sprechen und \nRufen die Nachtruhe ihrer Mitbewohner\/innen gest\u00f6rt habe.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem zeigten sich unkontrollierte Arm- und Beinbewegungen. Ihr \nGang wurde zusehends unsicherer, so dass sie alsbald &#8211; um der erh\u00f6hten \nSturzgefahr vorzubeugen &#8211; einen Gehwagen erhielt. Auch die Gesichtsz\u00fcge \nver\u00e4nderten sich. Sie streckte h\u00e4ufig die Zunge heraus und au\u00dferdem lief\n ihr der Speichel aus dem Mund.Alle diese Erscheinungen sind bekannt als\n typische Nebenwirkungen von Haldol, aber auch von anderen Neuroleptika.\n Bei einer Blutuntersuchung wurden starke Ver\u00e4nderungen im Blutbild und \nErh\u00f6hung einige Leberwerte festgestellt. Die ebenfalls als Nebenwirkung \ndieses Mittels beschrieben werden.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der behandelnde Neurologe ordnete daraufhin im Oktober 95 das Mittel \nPerazin neuraxpharm 100 an, ein Neuroleptikum neuerer Generation, 75 mg \nabends. Nach Ansicht des Heimpersonals und des Neurologen sei sie damit \ngut eingestellt, schlief nachts einigerma\u00dfen und schlief auch mittags. \nEnde Mai 96 reduzierte der Arzt die Dosis auf 50mg. Da die Unruhe \ndaraufhin sofort wieder zunahm, wurde schon eine Woche sp\u00e4ter wieder die\n alte Dosis von 75 mg verabreicht. Jedoch stellte sich die anf\u00e4nglich \ngute Wirkung nicht wieder ein, so dass zeitweise zus\u00e4tzlich noch andere \nBeruhigungsmittel versucht wurden. Als auch diese nicht halfen, wurde \ndie Tagesdosis auf 100 mg erh\u00f6ht. Auf die Frage des Sohnes, der die \nver\u00e4nderte Dosis zuf\u00e4llig feststellte, als er seiner Mutter die \nAbendmedizin reichte, erkl\u00e4rte eine Schwester, dass die Mutter nachts \nsehr unruhig sei, z.T. sehr laut w\u00e4re und bedingt dadurch die \nMitbewohner des Flures in ihrer Nachtruhe gest\u00f6rt wurden.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend sich die erhoffte Wirkung nicht einstellte, traten die bei  diesem Medikament bekannten Nebenwirkungen immer deutlicher in  Erscheinung. In den nachfolgenden in einer Box dargestellten  Informationen werden alle bei Frau B. aufgetretenen Symptome  beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bekannte Nebenwirkungen von Perazin-neuraxpharm\u00ae 100<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">soweit diese beschrieben sind und bei Frau B zu beobachten waren:\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00fcdigkeit (allgemeine Tr\u00e4gheit und Reduzierung der Vitalit\u00e4t) bei  gleichzeitigen Schlafst\u00f6rungen, Verst\u00e4rkung von Verwirrtheit bzw.  Unruhe. Nachts konnte Frau B trotzdem selten vor 1 Uhr einschlafen,  gegen 4 Uhr sei sie meist wieder wach gewesen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dyskinesien (St\u00f6rungen des Bewegungsablaufs):<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">krampfartiges Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der \nSchlundmuskulatur, Blickkr\u00e4mpfe, Verkrampfung der R\u00fcckenmuskulatur, \nunwillk\u00fcrliche Bewegung vor allem im Bereich der Kiefer und \nGesichtsmuskulatur, aber auch unwillk\u00fcrliche Bewegungen an Armen und \nBeinen\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Herausstrecken der Zunge, sowie ungew\u00f6hnliche Mundbewegungen \ntraten bereits unter Haldol auf, verst\u00e4rkten sich jedoch unter Perazin \ndeutlich. Ihr gesamter Gesichtsausdruck habe sich in dieser Zeit stark \nver\u00e4ndert. Die gesamte Haltung wirkte verkrampft. (Anmerkung: Bereits in\n 1993 wurde eine schmerzhafte Osteochondrose der Lendenwirbels\u00e4ule \ndiagnostiziert sowie Arthrose in den Kniegelenken, die Schmerzen \nbereiteten und zeitweise medikament\u00f6s behandelt wurden (Voltaren-Gel). \nVor allem nach Ruhephasen sind dabei sog. Anlaufschmerzen zu beobachten,\n w\u00e4hrend der Bewegung bessern sich die Beschwerden zumeist wieder. \nDadurch, dass der demenzbedingte Bewegungsdrang bei Frau B. medikament\u00f6s\n unterbunden wurde und sie nun viel mehr gesessen hat, verst\u00e4rkten sich \ndiese Beschwerden h\u00f6chstwahrscheinlich und verursachten Schon- und \nFehlhaltungen. Da Demenzkranke Schmerzen selten direkt \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen, \nlassen sich diese vornehmlich einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck \nentnehmen, z.B. beim Aufstehen, Aufrichten oder Hinsetzen.)\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der MDK Begutachtung vom 21.2.96 wurden erstmals folgende  Bewegungseinschr\u00e4nkungen dokumentiert: Wirbels\u00e4ulenteilversteifung,  Nacken- und Sch\u00fcrzengriff beidseits nicht durchf\u00fchrbar,  Schulterteilversteifung bds., Coxarthrose, allgem. Muskelatrophie,  Parkinsonsyndrom: Zittern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Steifigkeit, Bewegungsarmut<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Bewegungen wurden in dieser Zeit zusehends unsicherer und  ungelenker. Konnte sie vorher noch problemlos den Becher zum Mund  f\u00fchren, versch\u00fcttete sie nun h\u00e4ufig Sachen. A\u00df sie bis dahin z\u00fcgig alles  auf, brauchte sie nun l\u00e4nger und ben\u00f6tigte zunehmend Hilfe beim Essen.  Auf Grund der Bewegungsarmut, die au\u00dferdem durch das fixierte Sitzen in  einem sog. Therapiestuhl mit bedingt war, versteiften die Bein- und  Armgelenke zunehmend, so dass Frau B Mitte 1998 bereits so versteifte  Beingelenke hatte, dass sie ohne Hilfe kaum noch einen Schritt laufen  konnte. Auch versp\u00fcrte sie zu diesem Zeitpunkt offenbar keinen  Bewegungsdrang mehr.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">St\u00f6rungen der Speichelsekretion, Mundtrockenheit<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn war vermehrte Speichelsekretion beobachtbar, sp\u00e4ter zeigte \nsich dann das typische Erscheinungsbild von Menschen, die \u00fcber l\u00e4ngere \nZeit hochdosiert Neuroleptika erhalten:\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trockener Mund, dicke hervorquellende Zunge, die nicht nur das Sprechen behindern, sondern auch Kau- und Schluckprobleme machen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erh\u00f6hungen der Leberenzymaktivit\u00e4ten, zeitweise starke Erh\u00f6hung \neinzelner Leberwerte, ver\u00e4nderte Glukosetoleranz: Ein latenter Diabetes \nmell. Typ II manifestierte sich in 1996, er wurde zun\u00e4chst mit Glukobay \nTabletten behandelt. Die Blutzuckereinstellung blieb bis zuletzt ein \nProblem.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Bei \u00e4lteren Patienten k\u00f6nnen bereits niedrige Dosen verst\u00e4rkt Nebenwirkungen hervorrufen.&#8220;<\/em>,  hei\u00dft es im Beipackzettel zum Medikament. Frau B. war zu Beginn dieser  Therapie 82 Jahre, sie erhielt \u00fcber rund 2,5 Jahre t\u00e4glich 75 mg bzw.  100 mg Perazin.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Achtung: Betrifft die meisten Neuroleptika<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sollten Sie wissen:\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viele der beschriebenen Nebenwirkungen bilden sich auch nach  Beendigung der Therapie nicht wieder zur\u00fcck! Therapien mit Neuroleptika  f\u00fchren also zu dauerhaften Sch\u00e4digungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bem\u00fchungen um eine weniger sch\u00e4dliche Therapie<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ein Gro\u00dfteil der Nebenwirkungen bereits fr\u00fch augenf\u00e4llig wurden, \nversuchte der Sohn, der zugleich gesetzlicher Betreuer von Frau B war, \n\u00fcber Gegengutachten namhafter Fach\u00e4rzte den behandelnden Neurologen zu \neiner weniger sch\u00e4dlichen Therapie zu bewegen. So war diese \nMedikamentenanordnung im Juli 1996 Gegenstand einer amtsrichterlichen \nEntscheidung, die insofern interessant ist, als der Richter die Bedenken\n des Betreuers mit folgenden Worten zur\u00fcckwies:\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Das Gericht wies den Betreuer darauf hin, dass, was \nm\u00f6glicherweise in der Vergangenheit zu Missverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt habe, \nseine Betreuerpflicht hinsichtlich der Gesundheitsf\u00fcrsorge lediglich \ndarin besteht, Krankheitszeichen an die behandelnden \u00c4rzte \nweiterzuleiten. Diese m\u00fcssten dann eigenverantwortlich die notwendige \nBehandlung durchf\u00fchren. Eine Kontrolle und \u00dcbernahme der Verantwortung \nder \u00e4rztlichen Behandlung k\u00e4me nicht in Betracht.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Gericht z\u00e4hlte lediglich die Sachverst\u00e4ndigenaussage des \nNeurologen, der die Notwendigkeit der weiteren Verordnung dieses \nMedikamentes wie folgt begr\u00fcndete:\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Herr Dr. W. wies als Sachverst\u00e4ndiger auf Bitten des Gerichts die  Wirkungsweise dieser Medikation wie folgt aus: Die Betroffene hat  innere Angstzust\u00e4nde. Um diese Angstzust\u00e4nde zu bew\u00e4ltigen verf\u00e4llt die  Betroffene in Motorik, d.h. sie versp\u00fcrt einen gro\u00dfen Bewegungsdrang. Um  diesen Bewegungsdrang etwas zu mindern und zu kanalisieren wird das  Medikament Perazin von mir verabreicht. Insoweit ist es richtig, dass  Perazin den Bewegungsdrang der Betroffenen einschr\u00e4nkt. Hierbei wird  aber nicht jeglicher Bewegungsdrang unterbunden, sondern nur der  \u00fcberm\u00e4\u00dfige. Es k\u00f6nnte beispielhaft sein, dass die Betroffene ohne die  Medikation versucht aus dem Haus und auf die Stra\u00dfe zu laufen. Durch  Gabe dieses Medikamentes ist die Patientin f\u00fchrbar. &#8222;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Gutachter geht auf Nebenwirkungen nicht ein<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut\n Aussage des Sohnes wurde das Gericht durch den Neurologen lediglich \ndahingehend informiert, dass Frau B. unter der Gabe von Perazin gut \nf\u00fchrbar sei. Mit keinem Wort habe der Gutachter die Nebenwirkungen \nerw\u00e4hnt. Und da bekanntlich medizinische Gutachter vor Gericht \nkompetenter erscheinen als jede Beobachtung eines Nichtmediziners, sah \ndas Gericht keine Veranlassung, eine Genehmigung zu erteilen, wie sie \nbei freiheitsentziehenden Ma\u00dfnahmen oder Mitteln und Eingriffen \nerforderlich ist, die schwerwiegende Gesundheitssch\u00e4den verursachen \nk\u00f6nnen. Nach Darstellung des Arztes musste der Richter den Eindruck \ngewinnen, dass von Perazin nur die beschriebene positive Wirkung zu \nerwarten ist. H\u00e4tte der Sohn 1996 bereits das gewusst, was er \nschrittweise und durch eigene Nachforschungen in den kommenden Jahren \nherausgefunden hat, h\u00e4tte er sich in dieser Situation sicherlich nicht \nderart in seinem Recht als Betreuer einschr\u00e4nken lassen. Die Haltung des\n Gerichtes ist kaum zu glauben, w\u00e4re sie nicht w\u00f6rtlich dokumentiert. \nAu\u00dferdem ist dies kein Einzelfall. Mir pers\u00f6nlich ist kein einziges \nUrteil bekannt, in dem das Gericht nicht den Gutachten des medizinischen\n Sachverst\u00e4ndigen gefolgt w\u00e4re.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeitgleich wurde per Gerichtsbeschluss dem Heim die Einwilligung \nerteilt, Frau B, falls erforderlich mit Hilfe eines sog. Therapiestuhles\n zu fixieren, d.h. am Aufstehen und Weglaufen zu hindern.\n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"274\" src=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-02_3a16fae360.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3975\" srcset=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-02_3a16fae360.jpg 225w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-02_3a16fae360-123x150.jpg 123w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Foto:<\/strong> <em>Sog. Therapiestuhl (ein solches Ablagebrett kann mit \nwenigen Handgriffen an jeden Lehnstuhl montiert werden, so dass der \ndemente Bewohner, \u00e4hnlich wie bei einer Gurtfixierung, am Aufstehen \ngehindert wird. H\u00e4ufig werden Bewohner stattdessen mit ihrem Lehn- oder \nRollstuhl dicht an einen feststehenden Tisch heran geschoben. Dies hat \nden gleichen Effekt und geschieht ohne amtsrichterlichen Beschluss.)<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was ab diesem Zeitpunkt passiert, kann man nur als systematische Entmobilisierung bezeichnen!<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den kommenden zwei Jahren sa\u00df Frau B dann \u00fcberwiegend in diesem \nStuhl, bis sie keine Anstalten mehr machte, aufzustehen und wegzulaufen.\n In dieser Zeit &#8211; bis etwa 1998 &#8211; versuchte sie durch lautes Reden, in \ndem sie z.B. immer wieder den Namen ihres Sohnes rief, so laut, dass man\n es drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe h\u00f6ren konnte, auf ihre hilflose Lage \naufmerksam zu machen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines Tages war sie dann pl\u00f6tzlich verstummt. Von einem Tag auf den \nanderen sprach sie kein Wort mehr. Die Ursachen konnten nie gekl\u00e4rt \nwerden, es wurde \u00e4rztlicherseits jedoch auch nichts unternommen, um das \naufzukl\u00e4ren. ( Anmerkung: Sp\u00e4ter wurde von einigen \u00c4rzten die \nVerdachtsdiagnose apoplektischer Insult gestellt. Im letzten Arztbericht\n vom 13.8.04 der Abteilung des Krankenhauses in dem Frau B. verstorben \nwar, ist erstmals vom &#8222;Zustand nach multiplen zerebralen Insulten&#8220; die \nRede. Auch dies ist ein h\u00e4ufiges Ph\u00e4nomen bei multimorbiden \nKrankheitssituationen, die nicht zuletzt dadurch gekennzeichnet sind, \ndass eine Diagnose in die andere \u00fcberflie\u00dft und es im Grunde unm\u00f6glich \nist, Ursachen und Wirkung sauber zu trennen. Eine sichere Diagnose der \nhirnorganischen Ver\u00e4nderungen w\u00e4re allenfalls durch Computertomographie \nm\u00f6glich gewesen. Diese wurde nicht durchgef\u00fchrt &#8211; vermutlich aus \nKostengr\u00fcnden und weil das Ergebnis dieser Untersuchung angesichts der \nGesamtsituation keine wirkliche Therapierelevanz gehabt h\u00e4tte. Die \nDurchf\u00fchrung logop\u00e4discher Sprach- und Sprech\u00fcbungen setzt n\u00e4mlich \nvoraus, dass der Kranke die \u00dcbungen versteht und den Willen hat, das \nSprachproblem zu \u00fcberwinden.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bezogen auf die wahrzunehmenden Bewegungseinschr\u00e4nkungen w\u00e4ren  hingegen regelm\u00e4\u00dfige, fachkundige Bewegungs\u00fcbungen eine Voraussetzung  gewesen, der weiteren Versteifung entgegen zu wirken bzw. die v\u00f6llige  Versteifung zu verhindern. Jedoch sahen weder die behandelnden \u00c4rzte  noch MDK Gutachter (in beiden F\u00e4llen \u00c4rzte) einen Sinn in der  Krankengymnastik. Damit die Mutter wenigstens noch in einem Arm\/Hand  eine Restbeweglichkeit behalten kann, veranlasste der Sohn zu einem  sp\u00e4teren Zeitpunkt, dass das &#8222;Taschengeld&#8220; der Mutter f\u00fcr  Krankengymnastik an diesem Arm verwendet werden soll.)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"238\" src=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-03_e6c1f3a91c.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3976\" srcset=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-03_e6c1f3a91c.jpg 225w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-03_e6c1f3a91c-142x150.jpg 142w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\n Zeit, als dieses Foto aufgenommen wurde, hatte Frau B. bereits ihre \nSprache verloren. Sie konnte jedoch noch mit der linken Hand essen, wenn\n auch nur mit den Fingern. Unbeaufsichtigt habe sie jedoch meist mit dem\n Essen &#8222;gespielt&#8220;. Die Stellung des rechten Armes und der rechten Hand \nwar auff\u00e4llig ver\u00e4ndert: Sie zeigte ein spastisches Muster, wie es durch\n verschiedene neuronale St\u00f6rungen ausgel\u00f6st worden sein k\u00f6nnte, u.a. \ndurch die Neuroleptika- Therapie als auch durch einen leichten \nSchlaganfall.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u00dcbrigen ist das Schlaganfallrisiko bei Patienten, die mit \nNeuroleptika behandelt werden, deutlich h\u00f6her, als bei anderen. \n(Warnungen selbst vor atypischen Neuroleptika finden sich in BMJ \n(British Medical Journal), in einer \u00dcbersicht (Review) \u00fcber glaubw\u00fcrdige\n Studien von Lee, Gill, Freedman et al. \ndoi:10.1136\/bmj.38125.465579.55(am 11. 6. 2004 ver\u00f6ffentlicht, unter \nwww.bmj.com, nachlesbar).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch so ganz aufgegeben hatte sich Frau B. in 1998 noch nicht. Da sie\n nun nicht mehr rufen konnte, verlegte sie sich aufs Klopfen. Mit allen \nGegenst\u00e4nden, die sie in die H\u00e4nde bekam, klopfte sie so laut wie \nm\u00f6glich auf den Tisch, nicht aggressiv aber bestimmt und anhaltend. \nDanach kam eine Phase, in der sie alles in den Mund gesteckt hat, was \nsie in die H\u00e4nde bekam, Servietten, L\u00e4tzchen, Bettbezug usw.<br><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Etwa ab dem Jahr 2000 war Frau B. k\u00f6rperlich soweit ruhig gestellt, dass sie nahezu keine Eigeninitiative mehr zeigte. <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Artig blieb sie sitzen, wo sie hingesetzt wurde, und reagierte nur \nnoch auf Ansprache. Au\u00dferhalb der offiziellen Schlafenszeiten sa\u00df sie \ninmitten ihrer LeidensgenossInnen mehr oder weniger teilnahmslos im \nAufenthaltsraum der Station &#8211; stets ordentlich gekleidet und gepflegt.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet man nur das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild der Demenzkranken,  d\u00fcrfte der MDK mit der Pflegequalit\u00e4t h\u00f6chst zufrieden gewesen sein. Wie  alle Fotos dokumentieren, machen Bewohner und Umgebung dieser  Einrichtung einen \u00fcberaus gepflegten Eindruck.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-04_16bb32e1b6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3977\" srcset=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-04_16bb32e1b6.jpg 225w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-04_16bb32e1b6-120x150.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nebenstehendes\n Foto\/Folie zeigt Frau B im Jahre 2001. Seit Mitte 1998 ben\u00f6tigte sie \neinen Rollstuhl, da sie aufgrund mangelnder Bewegung und der \nbeschriebenen Medikamentennebenwirkungen bereits so versteift war, dass \nsie keinen Schritt mehr h\u00e4tte laufen k\u00f6nnen, selbst wenn sie es gewollt \nh\u00e4tte. Knie &#8211; und Fu\u00dfgelenke waren v\u00f6llig versteift (Kontrakturbildung).\n Ein Bauchgurt war nun zur eigenen Sicherheit unerl\u00e4sslich, damit sie \nnicht bei einer falschen Bewegung oder einem unberechenbaren \nAufstehversuch aus dem Stuhl herausfallen konnte. Beide F\u00fc\u00dfe waren \ngepolstert, um weiteren Druckstellen vorzubeugen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom reglosen Sitzen und Liegen sowie permanentem Druck auf bestimmte  Hautareale am Ges\u00e4\u00df und an den F\u00fc\u00dfen, entwickelten sich mehrere  Druckgeschw\u00fcre . Mit gro\u00dfer M\u00fche gelang es dem Krankenhaus-Pflegeteam,  die offenen Stellen am Ges\u00e4\u00df zur Abheilung zu bringen. Hingegen  breiteten sich die nacheinander aufgetretenen Wunden an den  Au\u00dfenkn\u00f6cheln der F\u00fc\u00dfe, trotz regelm\u00e4\u00dfiger haut\u00e4rztlicher und  chirurgischer Betreuung, weiter aus. Wohl auch aufgrund  bewegungsmangelbedingter schlechter Durchblutung sowie des Diabetes.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ern\u00e4hrung \u00fcber eine PEG Sonde<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem wurde Frau B seit August 2001 k\u00fcnstlich \u00fcber PEG Sonde \nern\u00e4hrt. Auch dies ist eine Entwicklung mit einer leider recht typischen\n Vorgeschichte. Da die Einrichtungen zumeist so organisiert sind, dass \ndas Essen innerhalb enger Zeitspannen verabreicht werden muss, bleibt \nden Mitarbeitern nicht die Zeit, individuellen Besonderheiten einzelner \nBewohner, sowie der Langsamkeit beim Kauen und Schlucken zu entsprechen.\n Unter Zeitdruck wird das Essen angereicht. W\u00e4hrend die erste Portion \nnoch im Mund ist, wird die n\u00e4chste bereits nachgeschoben, bis der Kranke\n anf\u00e4ngt zu husten oder zu w\u00fcrgen oder bis er genug von dieser \nF\u00fctterungsaktion hat und den Mund nicht mehr aufmacht. Nicht anders war \ndies wohl bei Frau B. Konnte sie anf\u00e4nglich mit Unterst\u00fctzung problemlos\n und z\u00fcgig essen und trinken, f\u00fchrte die medikamentenbedingte \nVerlangsamung und Ver\u00e4nderung der Kau- und Schluckreflexe, denen \npflegerischerseits nicht entsprochen wurde, zum Verlust der Ess- und \nTrinkf\u00e4higkeit. Nach Aussage des Sohnes, der h\u00e4ufig anwesend war, wenn \nes Abendbrot gab und seiner Mutter dann half, musste man in 2001schon \nsehr viel Zeit und Geduld aufbringen. &#8222;Ich habe es mit einem enormen \nZeitaufwand geschafft, Mutter abends eine Schnitte Brot (eingeweicht in \nTee) zu f\u00fcttern. Sie hatte sich zum Teil auch verschluckt und dann so \nstark gehustet, dass sie manchmal blau angelaufen ist.&#8220;, beschreibt er \ndie Situation.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weder ist es \u00fcblich noch bei der \u00fcblichen Personalbesetzung m\u00f6glich,  eine Pflegekraft abzustellen, die das Essen in dem Tempo anreicht, in  dem eine solche Patientin\/Bewohnerin schlucken kann, ohne sich zu  verschlucken. Dazu m\u00fcssten zus\u00e4tzliche Helfer eingesetzt werden. Dies  geschieht aus Kostengr\u00fcnden jedoch nur selten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Anmerkung zu den Kosten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch an dieser Stelle macht sich der ung\u00fcnstige Einfluss  gesundheitspolitischer Weichenstellung bemerkbar. So wird die Sondenkost  mit rund 1.400 \u20ac monatlich (laut Auskunft eines Apothekers)  selbstverst\u00e4ndlich von den Kassen bezahlt, ein Helfer, der das  nat\u00fcrliche Essen unterst\u00fctzt, bei dem auch noch selbstverst\u00e4ndlicher  menschlicher Kontakt und Austausch geschehen kann (eine zus\u00e4tzlich  Hilfe) m\u00fcsste hingegen privat bezahlt werden. Hilfe beim Essen k\u00f6nnte \u2013  wenn man die Kosten f\u00fcr die Sondennahrung umrechnet \u2013 mit 48 \u20ac t\u00e4glich  honoriert werden. Anstatt nat\u00fcrliche Hilfsangebote zu f\u00f6rdern und deren  Aussch\u00f6pfung zu fordern, investiert man in k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mangelern\u00e4hrung und Lungenentz\u00fcndung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Mangelern\u00e4hrungszeichen und Lungenentz\u00fcndung wurde Frau B. im August 2001 ins Krankenhaus verlegt. <em>&#8222;Die\n aktuelle station\u00e4re Aufnahme erfolgte, da sich der Allgemeinzustand der\n Patientin unter rezidivierenden Fiebersch\u00fcben und mangelnder \nNahrungsaufnahme kontinuierlich verschlechtert hatte.&#8220;<\/em>, hei\u00dft es im Arztbericht. Und weiter steht dort: <em>&#8222;Bei\n ausgedehnter Schluckst\u00f6rung sahen wir die Infiltration (Lungenbefund) \nam ehesten als Aspirationspneumonie an. Zur Prophylaxe erneuter \nInfiltrate erfolgte am 28.08.01 die Anlage einer PEG.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sohn\/Betreuer wurde mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen  gestellt. Unvorbereitet auf diese medizinische Entscheidung und ohne die  Tragweite \u00fcberblicken zu k\u00f6nnen, wurde er lediglich vor die Alternative  gestellt, die Mutter verhungern zu lassen oder einer k\u00fcnstlichen  Ern\u00e4hrung \u00fcber PEG zuzustimmen. Dass die Nahrungsverabreichung \u00fcber PEG  Sonde ein noch gr\u00f6\u00dferes Risiko von Aspiration\/Infiltration\/Pneumonie mit  sich bringen w\u00fcrde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen. Das  Aufkl\u00e4rungsverhalten von \u00c4rzten, wenn es darum geht, eine Einwilligung  des Betreuers f\u00fcr eine von ihnen l\u00e4ngst getroffenen Entscheidung zu  erhalten, beschr\u00e4nkt sich in aller Regel auf die Beschreibung der  Notwendigkeit, die sich alleine schon aus dem \u00e4rztlichen Leitprinzip  &#8222;Leben zu erhalten&#8220; ergibt und in solchen F\u00e4llen keine Alternativen  kennt. Risiken und Nebenwirkungen werden hingegen unterschlagen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Krankenhausaufenthalte wegen St\u00f6rungen bei der Sondenern\u00e4hrung<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"321\" src=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-05_c561c1af4e.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3978\" srcset=\"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-05_c561c1af4e.jpg 225w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-05_c561c1af4e-105x150.jpg 105w, https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/csm_Frau_B-05_c561c1af4e-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption> Das Foto zeigt Frau B nach der Amputation im Rollstuhl. Ein Bild, das B\u00e4nde spricht. <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alleine\n von August bis Ende Dezember 2001 lag Frau B viermal im Krankenhaus, \nhaupts\u00e4chlich wegen St\u00f6rungen im Zusammenhang mit der Sondenern\u00e4hrung: \nSo trat bereits im August die erste Aspirationspneumonie auf, viele \nweitere sollten folgen. Hierdurch wurde nat\u00fcrlich jedes Mal der gesamte \nStoffwechsel in Mitleidenschaft gezogen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im November wurde sie z.B. mit einem Blutzuckerwert von 568 mg\/dl \neingewiesen, bei gleichzeitig hohem Fieber. Auch die zun\u00e4chst harmlos \nerschienenen offenen Stellen an den F\u00fc\u00dfen weiteten sich aus, so dass \nneben einem Dekubitalgeschw\u00fcr am linken Au\u00dfenkn\u00f6chel und an der rechten \nGro\u00dfzehe, eine diabetesbedingte Angiopathie bzw. Gangr\u00e4n zur \nMangelversorgung und schlie\u00dflich zum Absterben der F\u00fc\u00dfe beitrug.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil das Pflegeheim, in dem seine Mutter vom M\u00e4rz 1995 bis September \n2001 gewohnt hatte, im Wege eines Neubaues nur Einzelzimmer erstellte, \nund der Sohn Angst hatte, in einem Einzelzimmer w\u00fcrde niemand \nmitbekommen, wenn die Mutter einen Erstickungsanfall erleidet, \nveranlasste er einen Heimwechsel. Dar\u00fcber hinaus spielten vermutlich \nauch die Kosten eine Rolle, denn Frau B. war Sozialhilfeempf\u00e4ngerin. \nDoch auch im zweiten Haus, in dem Frau B. seit Oktober 2001 in einem \nZweibettzimmer untergebracht war, konnte eine weitere Zuspitzung der \nLage nicht verhindert werden.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach mehreren chirurgischen Abtragungen von Nekrosen an den F\u00fc\u00dfen und\n der akuten Gefahr einer Sepsis wurden ihr im Juli und August 2002 beide\n Beine bis zu den Oberschenkeln amputiert.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut MDK Bericht wurde sie bis Mai 2004 einmal w\u00f6chentlich (im Rollstuhl sitzend) geduscht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dar\u00fcber hinaus wurde sie seit ihrer Beinamputation nur zu drei Anl\u00e4ssen nochmals aus dem Bett geholt.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den kommenden zwei Jahren dieses qualvollen Lebens musste Frau B \ninsgesamt 15-mal station\u00e4r im Krankenhaus aufgenommen werden, zumeist \nweil die Sondennahrung \u00fcber die Speiser\u00f6hre zur\u00fccklief und aspiriert \nwurde. Hierdurch kam es zu akuter Erstickungsgefahr und Pneumonie.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Notaufnahme des Krankenhauses wurde sie dann regelm\u00e4\u00dfig bronchial abgesaugt. Mehrfach wurde sie auch bronchoskopiert<em>. &#8222;Meine Mutter hat geschrieen, so habe ich noch nie einen Menschen schreien geh\u00f6rt&#8220;<\/em>,  erkl\u00e4rte mir ihr Sohn am Telefon, nachdem er einmal vor der  Behandlungst\u00fcr gewartet hatte. Man kann sich kaum etwas Qualvolleres  vorstellen, als bei vollem Bewusstsein und Empfindungsverm\u00f6gen,  bronchoskopiert oder bronchial abgesaugt zu werden, selbst Bewusstlose  b\u00e4umen sich dabei auf.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Doch sollte man sie allm\u00e4hlich ersticken lassen?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davor hatte der Sohn zuletzt die gr\u00f6\u00dfte Angst, nachdem sein Vater \n1999 in seinen Armen verstorben war, am eigenen Schleim erstickt war, \nbevor fachkundige Hilfe kam. (Der Ehemann von Frau B. hatte nach einem \nSturz eine Schenkelhalsfraktur. Am 6. postoperativen Tag verstarb er \npl\u00f6tzlich an akuter Herz-Lungeninsuffizienz (Erstickungszeichen durch \nLungen\u00f6dem).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Mutter verstarb hingegen unbemerkt in der Nacht des 4. August \n2004, so gegen 0.30 Uhr. Vermutlich wurde sie von der Nachwache bei \neinem Kontrollgang tot vorgefunden, denn zum tats\u00e4chlichen Umstand und \nHergang konnte dem Sohn keine Auskunft gegeben werden. Die beiden \nZimmernachbarinnen waren ebenfalls sehr alt und v\u00f6llig hilflos, sie \nh\u00e4tten sich nicht melden k\u00f6nnen, um etwa bei einem Erstickungsanfall von\n Frau B Hilfe zu rufen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Monitor\u00fcberwachung ist in solchen F\u00e4llen nicht \u00fcblich. Warum \neigentlich nicht? Wenn man sich schon derart bem\u00fcht, einen \nsterbenskranken alten Menschen k\u00fcnstlich am Leben zu halten, w\u00e4re eine \nsolche Sicherheitsma\u00dfnahme die notwendige Konsequenz. Den Sohn h\u00e4tte \ndies jedenfalls sehr beruhigt. Bis heute qu\u00e4lt ihn die Frage, wie seine \nMutter gestorben ist, ob sie ruhig eingeschlafen oder qualvoll erstickt \nist. Die \u00c4rzte gehen von einem sog. &#8222;Sekundenherztod&#8220; aus und stellen \nden &#8222;Exitus&#8220; nun auf einmal als einen normalen Vorgang in einer solch \nschwierigen Lage dar, w\u00e4hrend bis dahin von &#8222;Sterben&#8220; nie die Rede war.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst so gegen 10 Uhr morgens hat der Sohn vom Tod seiner Mutter \nerfahren, nicht durch das Krankenhaus, sondern durch das Pflegeheim. \n(Das kann jedoch auch daran liegen, r\u00e4umte der Sohn ein, dass er in der \nZeit von 7.30 bis 9.45 Uhr nicht erreichbar war).\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Nachmittag vorher sa\u00df er wie jeden Tag 2-3 Stunden am Krankenbett  der Mutter, die gerade wieder mit einer schweren Aspirationspneumonie im  Krankenhaus lag, trotz Antibiotika hohes Fieber hatte und schwer  geatmet habe. Doch weder ein Arzt noch eine Pflegekraft haben ihm  gegen\u00fcber mit einer Silbe angedeutet, dass es nun endg\u00fcltig bald zu Ende  gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zu lange schon lag diese Frau im Sterben und wurde dennoch keine Minute wie eine Sterbende behandelt.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entfernung der PEG-Sonde habe nie zur Debatte gestanden, weder \nf\u00fcr den Sohn noch f\u00fcr die \u00c4rzte. Bis zuletzt waren alle bem\u00fcht, die \nmaximal m\u00f6gliche Einflussmenge auszuloten. Flach liegen durfte Frau B \nschon lange nicht mehr, weil die Nahrung dann sofort zur\u00fccklief.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15-mal wurde diese Frau innerhalb von zwei Jahren im Zustand akuter  Erstickungsgefahr, wegen der Aspiration von Sondennahrung, ins  Krankenhaus eingeliefert. Dennoch stand die Einstellung der  Sondenern\u00e4hrung zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion, da dies nach dem  Verst\u00e4ndnis des Sohnes und wohl auch der \u00c4rzte einer passiven Euthanasie  gleichgekommen w\u00e4re. Dabei hatte sie trotz Sondenern\u00e4hrung stark  abgenommen, habe bei der letzten Gewichtskontrolle nur noch 36 kg  gewogen. Au\u00dferdem erhielt sie zus\u00e4tzlich noch subkutane Infusionen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ethik und Sterbehilfe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte jetzt hier an dieser Stelle einen langen ethischen Exkurs \n\u00fcber Sterbehilfe einf\u00fcgen, doch das ist nicht unser Thema. Sondern mir \ngeht es darum, an diesem Beispiel einen typischen Mechanismus \naufzuzeigen, sowie das, was dabei heraus kommen kann. Es mag piet\u00e4tlos \nsein, wenn man angesichts solch einer Leidensgeschichte die Kosten ins \nFeld f\u00fchrt. Doch nur um eine ungef\u00e4hre Vorstellung der Gr\u00f6\u00dfenordnung zu \ngeben: Nach Auskunft der AOK, bei der Frau B. versichert war, beliefen \nsich alleine nur die reinen Krankenhauskosten im Zeitraum vom 22.August \n2001 (als die Sonde gelegt wurde) bis zum 4.August 2004, auf rund 61.000\n Euro.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedenkt man die Leidenssituation, die mit dem gro\u00dfen Aufwand erzeugt \nwurde, die also dieser Frau h\u00e4tte erspart werden k\u00f6nnen, muss man sich \nfragen, in welcher Welt wir eigentlich leben.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wen interessiert das? W\u00e4hrend auf der einen Seite eine \nregelrechte Studienmanie ausgebrochen ist und jeder Handgriff \nevidenzbasiert sein sollte, werden auf der anderen Seite Zusammenh\u00e4nge \n\u00fcbersehen, die jeder mit blo\u00dfem Auge erkennen kann, sofern er hinschaut.\n Doch da sich die Akteure teilweise so sehr an solche Bilder gew\u00f6hnt \nhaben, die inzwischen zum Krankenhaus- und Pflegealltag geh\u00f6ren, werden \ndiese als gegeben hingenommen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht hier nicht darum, alten, demenzkranken Menschen  Gesundheitsleistungen vorenthalten zu wollen &#8211; das w\u00e4re auch in meinen  Augen ein ethisch nicht vertretbarer Ansatz. Zuallererst m\u00fcsste es den  Verantwortlichen in Politik, Medizin und Pflege darum gehen,  Entwicklungen wie diese zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das gr\u00f6\u00dfte Sparpotential &#8211; die Vermeidung von therapie- und  pflegebedingten Sch\u00e4den &#8211; wurde offiziell bislang noch nicht einmal entdeckt! <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 60 Prozent der Bewohner in Altenheimen sind dement Unser Gesundheitssystem wird zunehmend belastet durch den Anstieg dementer alter Menschen, die in ihren letzten Lebensjahren vollkommen abh\u00e4ngig von Pflege sind &#8211; und rund um die Uhr betreut werden m\u00fcssen. 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