{"id":3631,"date":"2020-02-18T11:04:40","date_gmt":"2020-02-18T10:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/?post_type=vitalstoff_journal&#038;p=3631"},"modified":"2020-04-06T11:04:47","modified_gmt":"2020-04-06T09:04:47","slug":"milch-ist-ja-sooo-gesund","status":"publish","type":"vitalstoff_journal","link":"https:\/\/www.naturepower.de\/vitalstoff-journal\/fakten-widerreden\/ernaehrung\/milch-ist-ja-sooo-gesund\/","title":{"rendered":"Milch ist ja sooo gesund &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein modernes Kuhleben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Milch&#8220;-K\u00fche werden nur noch zur Milchproduktion gehalten. \nReproduktion und Laktation sind daher auf das effizienteste \ndurchrationalisiert. Denn jeder Tag, an dem eine Kuh keine Milch gibt, \nist ein unn\u00f6tiger Kuhtag, ein unn\u00f6tiger Kostenfaktor, denn so ein Tier \nmuss fressen, ca. 50 kg Futter t\u00e4glich. Eigentlich ist sie keine Kuh \nmehr, welch altmodischer Begriff aus ferner Zeit, sondern eine \nProduktionseinheit.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben dieser Produktionseinheit verl\u00e4uft heute im Schnitt so: \nGeben wir ihr, aus alter Sentimentalit\u00e4t einmal einen Namen, z.B. \nHelene.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Geschlechtsreife tritt im Alter von 7 &#8211; 8 Monaten ein. Helenes \nerste Besamung findet im Alter von etwa 15 Monaten statt, der Trend geht\n zu immer fr\u00fcheren Besamungen. Ausschlaggebend daf\u00fcr ist ihr \nLebendgewicht von etwa 400 kg. Anschlie\u00dfend ist Helene etwa neun Monate \ntr\u00e4chtig. Ungef\u00e4hr mit 24 Monaten kalbt sie das erste Mal. Das K\u00e4lbchen &#8211;\n wir nennen sie einfach &#8222;Anni&#8220; &#8211; wird ihr sofort genommen; es darf nicht\n einmal an ihrem Euter saugen.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Kolostralmilch erh\u00e4lt es aus dem Nuckeleimer. Anni wird \nzuk\u00fcnftig \u00fcber sogenannte Milchaustauscher ern\u00e4hrt. W\u00fcrde sie n\u00e4mlich \ndie Milch der eigenen Mutter aus ihrem Euter saugen, w\u00fcrde sie \nm\u00f6glicherweise krank, bek\u00e4me Durchf\u00e4lle und Infektionen. Denn ihre \nVerdauungsorgane sind auf den hohen angez\u00fcchteten Milchfettgehalt ihrer \nMuttermilch nicht eingerichtet. Deshalb kann sie nur mit einer \nentfetteten Milch ern\u00e4hrt werden. Und wenn sie am Euter saugte, m\u00fcsste \nman Angst haben, dass Mutter und Tochter sich Infektionen zuz\u00f6gen, und \nHelene w\u00fcrde f\u00fcr die von ihr erwartete Milchleistung zu wenig Futter \nfressen. Zudem br\u00e4uchte sie l\u00e4nger bis sie wieder br\u00fcnstig w\u00fcrde, was \nihre Anschlussbesamung verz\u00f6gern w\u00fcrde.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche kostentr\u00e4chtigen Risiken werden von vornherein ausgeschaltet, \nindem Anni unnat\u00fcrlicherweise nicht ihre Muttermilch erh\u00e4lt. Aber auch \ndie Molkerei bekommt von der Kolostralmilch nichts ab, denn die erste \nMilch, die Helene 5 Tage lang nach dem Kalben gibt, darf nicht an die \nMolkerei abgegeben werden, weil sie zum menschlichen Genuss (Hormone!) \nungeeignet ist. Endlich, am 6. Tag nach dem Kalben darf Helenes Milch \nf\u00fcr den menschlichen Verzehr genutzt werden. So beginnt Helene nach etwa\n 24 Lebensmonaten ihre Milchproduktion f\u00fcr uns Menschen.\n<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Etwa 310 Tage lang gibt sie Milch, dann ist eine durchschnittliche Laktationsperiode heutzutage zu Ende.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4re Helene nicht bald nach ihrer ersten Geburt wieder besamt worden,\n dann st\u00fcnde sie nach Ende der Laktation ohne wirtschaftlichen Nutzen im\n Stall herum, was selbstverst\u00e4ndlich nicht sein darf. Deshalb wird sie \nnach einer Wartezeit von 6 bis 8 Wochen, auf Annis Geburt folgend, \nerneut besamt. Bei Helene gelingt die neue Befruchtung, was bedeutet, \ndass sie w\u00e4hrend der weiteren Zeit ihrer Laktation gleichzeitig \nschwanger ist. W\u00e4hrend ihr K\u00f6rper &#8222;Milch gibt&#8220;, entwickelt sich in ihm \ngleichzeitig ein neuer Embryo zum Kalb. Das zweite K\u00e4lbchen w\u00e4chst \ninnerhalb weiterer 9 Monate in ihrem K\u00f6rper heran.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Circa 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin f\u00fcr das zweite \nK\u00e4lbchen, genannt &#8222;Hubert&#8220;, wird Helene vor der Geburt \n&#8222;trockengestellt&#8220;, so der Fachausdruck. Das geschieht in der Regel \nmedikament\u00f6s (Antibiotika oder Hormone). Denn diese Milch, die sie bis \nkurz vor der Niederkunft geben w\u00fcrde, w\u00e4re ebenso wenig wie die \nKolostralmilch f\u00fcr den menschlichen Verzehr geeignet. Deshalb kann man \nauf diese letzte Milch vor der Geburt leicht verzichten.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Hubert, also Helenes zweites Kalb zur Welt gekommen ist, \nbeginnt der Kreislauf von Neuem. Helene ist jetzt etwa 36 Monate alt. \nErneut wird ihr das Kalb genommen, ab dem 6. Tag produziert sie wieder \nMilch f\u00fcr uns, darf 6 &#8211; 8 Wochen frei von Schwangerschaft sein um dann \nerneut besamt zu werden; sie gibt wieder Milch w\u00e4hrend sie gleichzeitig \ntr\u00e4chtig ist, sie wird vor dem Abkalbungstermin wieder mit Medikamenten \ntrockengestellt, kalbt erneut und ein neuer Zyklus beginnt.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der 3. Laktation hat Helene ihren Milchlieferungszenit erreicht \nund schon \u00fcberschritten. Ihre Kr\u00e4fte lassen nach. Schwangerschaft und \ngleichzeitige Laktation, Trockenstand, Geburt, w\u00e4hrend der Laktation \nerneute Besamung und Schwangerschaft. Eine solche Nutzung h\u00e4lt kein Tier\n auf Dauer aus.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So beginnt die Milchleistung meist schon in der 4. Laktationsperiode \nabzunehmen. Und nach der 5. Laktation wird sie un\u00f6konomisch.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So kommt Helene, die den Stress von insgesamt 6 Schwangerschaften und\n Geburten, 5 Laktationsperioden mit 5 parallelen Schwangerschaften \n\u00fcberlebt hat, mit ca. 7 Jahren ins Schlachthaus. Helene war nach \nheutigen Ma\u00dfst\u00e4ben eine gute Kuh, ihr Leben hat sich f\u00fcr den Erzeuger \nmehr als gelohnt im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen. Sie kommen \nihre Erzeuger n\u00e4mlich teuer zu stehen, wenn ihre K\u00f6rper zu wenig Milch \ngegeben haben oder sie in den Befruchtungsstreik getreten sind. Sie \nmussten fr\u00fcher ins Schlachthaus als Helene, weil eine neue \nAnschlussbefruchtung sich nicht gelohnt h\u00e4tte oder gescheitert war. Und \ndas hat die Kosten f\u00fcr ihre Aufzucht als Milchkuh im Verh\u00e4ltnis zu ihrer\n sp\u00e4teren Milchleistung, sprich Ausbeute, erheblich erh\u00f6ht.\n<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Da war Helene eine richtige Mustersch\u00fclerin.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre per se befruchtungsschwachen Kolleginnen findet \nman am h\u00e4ufigsten in den gro\u00dfen Betrieben, die auf extreme Milchleistung\n durch Hochleistungsk\u00fche setzen. Ihr, im Verh\u00e4ltnis zu Helene, kurzes \nLeben machen sie durch eine h\u00f6here Milchleistung wett.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier tragen sie auch keine Namen mehr, sondern sind die\n Nummern auf ihren Ohrmarken: 17007 DE 72- 092. Sie sehen den \nSchlachthof meist schon nach 2 Laktationen, wenn die \nAnschlussbefruchtung nicht mehr gl\u00fcckt, andernfalls sind sie nach der 3.\n Laktation v\u00f6llig ausgelaugt. Auf 8000 &#8211; 10.000 kg Milch pro Laktation \nmuss eine solche Kuh schon kommen, was bedeutet, dass sie in den Wochen \nihrer Hauptmilchleistung 45 bis 50 kg Milch t\u00e4glich geben muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Kuh, die w\u00e4hrend ihrer ersten Laktation keine 7000\n kg erreicht, wird anschlie\u00dfend ebenfalls gleich ins Schlachthaus \ngef\u00fchrt. Eine weitere Laktation w\u00e4re nicht &#8222;sinnvoll&#8220;, ihre gesch\u00e4tzte \nMilchleistung l\u00e4ge zu niedrig. In manchen Betrieben werden 17007 und \nihre Kolleginnen sogar dreimal am Tag gemolken &#8211; \u00fcblich sind zweimal &#8211; \nund geben durchschnittlich 35 &#8211; 45 Liter Milch t\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apropos &#8222;melken&#8220;, auch das ist ein sentimentaler \nBegriff, &#8222;Milchentzug&#8220; hei\u00dft das heute. In anderen EU Staaten, z. B. \nSchweden, Finnland, D\u00e4nemark, Niederlande und Gro\u00dfbritannien, sowie in \nden USA, Kanada, Japanund Israel sind weitaus h\u00f6here Mengen, 50 Liter und mehr t\u00e4glicher Milchentzug auf dem Zenit einer Laktation keine Seltenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um diese Milchmengen zu produzieren und wenigstens \neinmal gleichzeitig schwanger zu sein, m\u00fcssen 17007 und ihre Kolleginnen\n eine schier unglaubliche Stoffwechselleistung erbringen. Um einen Liter\n Milch zu produzieren, flie\u00dfen \u00fcber 500 Liter Blut durch das Euter! Sie \nhaben richtig gelesen: Riesige Milchmengen f\u00fchren zu riesigen \nStoffwechselums\u00e4tzen in den K\u00f6rpern der Tiere. Das entsprechende \nKraftfutter kann ihnen keine Futtermittelindustrie und auch nicht das \nausgekl\u00fcgelste Futtermanagement zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die notwendigen N\u00e4hrstoffe m\u00fcssen sie ihrem eigenen \nK\u00f6rper entziehen. Genau darin liegt dann der Profit der Milcherzeuger. \nSie sagen dazu, die Kapitalkosten pro Kuh \u00e4ndern sich ab einem \nbestimmten Haltungsniveau nicht mehr oder der Erhaltungsaufwand je Kuh \nbleibt gleich oder die Futtereffektivit\u00e4t steigt mit zunehmender \nMilchleistung. Im Klartext: Eine Kuh die in 2 Laktationen 20.000 kg \nMilch gibt, ist profitabler als eine Kuh, die daf\u00fcr 4 Laktationen \nben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet, dass die K\u00f6rper von 17007 und ihrer \nKolleginnen mehr und mehr auslaugen. Sie leiden an Pansen\u00fcbers\u00e4uerungen,\n Stoffwechselst\u00f6rungen, magern ab und Kalzium wird aus ihren Knochen \nheraus geschwemmt. Gegen Ende ihres nur kurzen 4- bis 5-j\u00e4hrigen Lebens \nbrechen sie meistens schon h\u00e4ufig zusammen. Zum Schluss bewegen sie sich\n kaum noch, weil sie sich sonst alle Knochen brechen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem 17007 endlich von ihrem Leben erl\u00f6st und ihr \nFleisch von den Knochen entfernt ist, sehen die Metzger im Schlachthof, \nwas sie h\u00e4ufig sehen und woran sie sich schon lange gew\u00f6hnt haben: die \nKnochen einer Kuh, die zum Brechen por\u00f6s sind.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kolostral- oder Biestmilch wird die Milch der ersten 5 Tage nach der Kalbung genannt.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Japan, traditionell kein Milchland, n\u00e4hert sich in \nseinen st\u00e4dtischen Zentren westlicher Lebens- und Ern\u00e4hrungsweise \nteilweise an. Daher gibt es in Japan mittlerweile eine beachtliche, \nindustrielle Milchproduktion. Allerdings n\u00e4hern sich seit Endes des 2. \nWeltkriegs die Erkrankungsarten und -raten denen der westlichen Welt an.\n Der durchschnittliche japanische Milchverbrauch liegt jedoch weit unter\n dem westlicher Industriestaaten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laktation ist der Fachausdruck f\u00fcr die Milchabgabe von \nS\u00e4ugetieren. Die Milchabsonderung erfolgt \u00fcber die Milchdr\u00fcsen und f\u00e4ngt\n f\u00fcr gew\u00f6hnlich nach der Geburt an. Die t\u00e4gliche Menge der Milchabgabe \nfolgt einer Laktationskurve. Auch die Produktion von Muttermilch wird \nals Laktation bezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein modernes Kuhleben &#8222;Milch&#8220;-K\u00fche werden nur noch zur Milchproduktion gehalten. Reproduktion und Laktation sind daher auf das effizienteste durchrationalisiert. 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